Poesie zum Sonntag

Google Alerts überrascht mich imnmer wieder aufs Neue. Heute gabs ein Snippet, das ich fast schon als lyrisch zu bezeichnen wage:

Die verlinkte Seite zu besuchen, würde ich nicht empfehlen, diverse Blocker schlugen da bei mir schon Alarm, aber das will ja auch keiner. Wir wollen zeitgenössische Lyrik, und das ist ja alles (meinen manche) nur eine Frage des Layouts. Voilà – und schon haben wir ein modernes, expressionistisches Gedicht:

Kondom-Hannerl

(Die Straßenlieder Für Frau)

von Trailer Krallten

 

Call: Anruf / Center Bei Liebe
Hagenström-Goldkisten.

frau.
liegt kreuzworträtsel.
für in farmen.
kondom schäkern
veraltet der glücksbringer
die liebe flirten
luft.


(Wer vielleicht selbst schreibt und auch gerne liest, dem sei die Plattform keinVerlag.de empfohlen.)

Völker, hört die Kondome!

… oder so ähnlich. Also wenn Ihr so ein Alexa-Dingsbums habt, dann könnt Ihr für Euer Bumsdings (hach, diese unbeabsichtigten Wortspiele aber auch immer, ts ts ts) auch Überzieher bei Amazon ordern. Und damit Euch das leichter fällt, gibts den Soundtrack dazu jetzt von SKYN. SKYN ist eine, hm, wie sagt man, Unter-Marke? der Marken Manix (und Mates, Lifestyles, Akuel … je nach Zielland), und Manix (sowie Mates, Lifestyles, Akuel … je nach Zielland) ist eine Marke des Ansell-Konzerns, und die Musik machen natürlich nicht die Kondome, oder die Manager oder die Verkaufsleiter, obwohl DAS ja mal interessant wäre, wie Kondome so musizieren würden, wenn sie es denn könnten, oder wollten, sondern irgendwelche Marketing-Fuzzis (bzw. von ihnen beaufgtrage Musik-Menschen), wie immer, also nehmt das nicht so wörtlich – aber die SKYN-Kondome sind schon gut, keine Frage, und latexfrei auch, nur musizieren können sie eben eigentlich nicht, aber das sagte ich, glaube ich, schon (bzw. ich schrieb es), und im Übrigen braucht man dann, wenn man die Kondome schon in Benutzung hat, keine Musik mehr, nur eben vorher, vielleicht, und deswegen also (schreibt Mashable):

A little music to enhance the mood? That’s what SKYN condoms wants to offer you with their new skill for Amazon’s Alexa. It’s called „Set the Mood“, and it’s got a variety of playlists perfect for your next sexy occasion. […] The company says they’re meant to „conceptualize the feeling of SKYN condoms in the form of curated playlists.“ So if you’ve ever wanted to hear how a condom feels, now’s your chance. All you need to do is add the skill, and then you start by asking Alexa to „set the mood.“

Also: Alexa anschalten, Gefühlvoll vögeln und stöhnend Kondome nachordern, und bald weiß es vielleicht die ganze Welt. Schließlich stimmt man ja schon mit dem Kauf der Alexa-Lauschangriffssäule der Übermittlung des gesamten hörbaren Lebens an Amazon zu. Wer weiß, bald kommen vielleicht die ersten Alexa-Leaks auf Youtube?

„Oh Schatz, hörst Du, wie gut sich das Kondom heute fühlt? Das nehmen wir morgen noch einmal, ja?“

Noch mehr Eiferer

Hatte ich sowas nicht gerade? Gutmenschen mit Missionierungsdrang? Wir haben sowas hier auch:

Die Deutsche Aidshilfe in Berlin begibt sich unter die Graffiti-Sprayer – für einen lobenswerten Zweck. Man will aufklären: Sex-Arbeiterinnen wie Freier. Mehr Fairness und Sicherheit auf beiden Seiten wird angemahnt. Und dazu werden Warnhinweise wie „Kondome schützen“ auf die Straße gesprüht, etwa im berüchtigten Rotlichtviertel in der Kurfürstenstraße.

So beschreibt Nobel & Frei die Aktion. Ja nee, ist gut. Eher & allerdings:

Es bestehen Zweifel, dass die gutgemeinte Aktion etwas bringt. Wahrscheinlich erreicht sie ohnehin nur die, die klar bei Verstand sind.

Yep. Wie sagt der Amerikaner dazu? „Preaching to the converted“. So schön einfach. Man tut „Gutes“ und redet drüber, und die Welt ist so, wie man sie gerne hätte. Ob so eine Aktion Sinn macht oder nicht, ist irgendwie nicht so wichtig. Konkret stellt sich die Aidshilfe Berlin hier auf die Seite der Hardliner (ich erinnere nur an das jetzt kommende Prostituierten“schutz“gesetz mit seinem Kondomzwang) – für eine Einrichtung, die eigentlich als Hilfs- und Anlaufstelle für Leute, von denen viele mit dem Mainstream nicht gerade auf gutem Fuße stehen, gedacht ist, macht sich eine solche Politisierung mithilfe der Moralkeule sicher nicht gut.

Rotlicht-Mafiosi denken an alles, nur nicht an das Wohlergehen von Sexarbeiterinnen.

Nur Schwarz-Weiß-Denker aber auch nicht. Mit Sexarbeiter(inne)n oder Freiern zu reden, könnte ja das eigene Weltbild durcheinanderbringen. Wer sich in dem Milieu auch nur ein wenig auskennt oder sich damit beschäftigt, weiß, wie kompliziert und vielschichtig es ist; eine Reduzierung auf böse Rotlicht-Mafiosi, brutal-geile Freier und arme, zu rettende Prinzessinnenmenschengehandelte Zwangsprostituierte ist genauso hilfreich wie ein Kondomzwang per Gesetz.

Holt mich hier raus

https://www.behance.net/gallery/53080695/Some-people-should-never-been-bornDa dachte man, es käme mal etwas Ruhe in die Trumpomanie, wo der erste Hype nun doch lange durch sein sollte, aber nein – manche müssen immer noch eins draufsetzen. So zum Beispiel die brasilianische Agentur Platinum FMD mit ihrer Anti-KondomPräsidenten-Kampagne „Some people should never have been born„, in der (wahrscheinlich extra starke) Kondome zum Eintüten von ein paar Unsympathen missbraucht werden.
Abgesehen davon, dass das Ganze ein wenig geschmacklos ist, ist auch die Umsetzung nicht unbedingt großartig zu nennen; mit der Textur des Materials hat sich das Gutmenschenteam wohl nicht eingehend auseinandergesetzt, wie die Detailaufnahmen auf der Projektseite zeigen – Latex (oder auch Polyisopren) sieht anders aus bzw. dehnt sich anders, wenn man es über ein Objekt spannt. Vielleicht ist mal einer meiner brasilianischen Kollegen so freundlich und schickt den Leuten ein paar echte Kondome. Für Materialstudien, natürlich nur. Nicht dass jemand auf die Idee kommt, ich fände diese Mainstream-„ich will auch noch draufhauen“-Karikaturversuche irgendwie unlustig und wollte die politisch korrekten Eiferer irgendwie ablenken, indem ich sie dezent auf andere Vergnügungen hinwiese.