Die Chinesen wieder…

Immer sind es die Chinesen, die uns heutzuage alles vormachen. Wirtschaft, Politik, you name it. Selbst Krankheiten. Früher haben wir Europäer die mal exportiert und ganze Landstriche damit ausgerottet (man denke nur an die erfolgreiche Eroberung, äh, Entdeckung Mittelamerikas), heute kriegen wir nicht mal das mehr hin. Corona, sag ich nur. Ist ja auch echt gut für die Wirtschaft, so kondomtechnisch gesprochen:

Coronavirus treibt in China Kondomverkäufe in die Höhe
[…] In ihrer Langeweile kaufen sich die Chinesen vor allem Spiele für Nintendos Switch-Konsole, Yogamatten, Bücher und Kondome.

So die Tiroler Tageszeitung. Hmnja. Passt ja ganz gut. Also bis auf die Switch (warum eigentlich nur die und keine anderen Konsolen?). Und die Bücher. Wer liest heute schon noch Totholzbücher. Aber Yogamatten und Kondome. Ja, denn:

Sportliche Betätigung innerhalb der eigenen vier Wände ist vielen chinesischen Konsumenten offenbar sehr wichtig.

Geht doch. Alles nicht so schlimm mit Corona, wenn bei den Chinesen schon Langeweile ausbricht, oder? Prost!

Google Alert der Woche

Statt eines Wortes zum Sonntag wieder einmal ein Google Alert:


Wer daran einen Sinn findet, darf den gerne als Kommentar posten. Ich klicke einstweilen auf „Als nicht relevant markieren“. Und irgendwann schicke ich Google eine große Rechnung für die ganzen Hilfsarbeiten…

Delikater Kondomunfall

Wenn ein Laster 23 Tonnen Ware geladen hat und einen Unfall baut, ist das normalerweise nicht mal einen Dreizeiler wert, wenn niemand zu Schaden kommt; aber wehe, es handelt sich um 23 Tonnen Kondome (!), dann wird es gleich zu einem Unfall der delikaten Art (Archiv-Version).
Erinnerte mich irgendwie spontan an Die Entgleisung.
Und nein, an 23 Tonnen Kondomen in Kartons auf 15 Paletten ist nichts Delikates. Auch nicht in Berlin. Auch wenn Ihr den Artikel hinter einer Paywall versteckt, als wäre es etwas Anzügliches.

Vorsicht, Trojaner!

Troja ist ja nun seit Homer nicht ganz unbekannt in der westlichen Welt und eigentlich eher berühmt für die gleichnamigen Pferde (auch wenn diese natürlich nicht aus der Stadt kamen, sondern in selbige hineingeschoben wurden, woraufhin sie erst nach ihr bekannt wurden (OK, es war nur ein Pferd, aber immerhin). Andere Dinge zum Hineinschieben hat man mit Troja üblicherweise nicht assoziiert – abgesehen von den Amerikanern, bei denen „Trojan“ eine schon sehr lange bekannte und gut eingeführte Marke für – trara – Kondome ist; der Bezug zu Troja ist in Gestalt des stilisierten altgriechischen Soldaten im Markenlogo eindeutig:

Etwa 69 % der in den USA verkauften Kondome sind Kondome der Marke Trojan. Damit besitzt Trojan einen mehr als viermal so hohen Marktanteil wie Durex (ca. 15 %). […] Anfang des 20. Jahrhunderts verhalfen die sogenannten amerikanischen Comstock-Gesetze (Verbot des Kondomverkaufs außerhalb von Apotheken) der Marke Trojan zu einer Art Monopolstellung in den USA, da die Gesetze den Markteintritt für Konkurrenten extrem erschwerten.

Soweit die allwissende Wikipedia; zu Herrn Comstock hatte ich ja vorgestern bereits eine kurze Anmerkung gemacht.
Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja. Trojanische Kondome im eigentlichen Sinne gibt es also eigentlich nicht; weder werden in oder um Troja (heute Türkei, nicht mehr Griechenland) Kondome produziert, noch sind amerikanische Trojan-Kondome dort erhältlich (es sei denn, man schmuggelte sie in einem hölzernen Pferd hinein – was jedoch heute schwieriger sein dürfte als damals).
Na ja. Google Alerts mal wieder, da schweifen die Gedanken ab. Und nein, ich hab da nicht draufgeklickt. Trojaner und so, man muss ja vorsichtig sein heutzutage.

Anthony Comstock, der Feind des Kondoms

Anthony Comstock, 1844-1915: Kennt den eigentlich jemand? Ist ja hierzulande nicht so sehr bekannt, um so mehr jedoch jenseits des großen Teiches- nämlich als einer der größten Eiferer in seinem Kampf gegen den freien Zugang zu Erotik und Verhütungsmitteln. Den kann man sich – in seinen Anfangszeiten – richtig so als Blockwart vorstellen:

The biggest contributor to igniting Comstock’s mission to rid of any and all obscene material was when one of his dear friends died. Comstock blamed his death on him being „led astray and corrupted and diseased“. As for a person to blame, Comstock laid all of it on Charles Conroy, who had sold his friend „erotic materials“ from a basement on Warren Street. After this incident, he continued the crusade throughout his neighborhood and while doing so, kept a ledger that had a record of every arrest he had made.

Das Problem jedoch war, dass er es letztlich schaffte, seine prüde und lustfeindliche Einstellung in US-Bundes- und Landesrecht gießen zu lassen und damit die Grundlage legte für die in den USA heute immer noch zu beobachtende Prüderie im Hinblick auf Nacktheit, Erotik und ja, natürlich auch Kondome.
Hallie Lieberman schrieb in ihrem Aufsatz A Short History of the Condom:

Just as condom innovations were on the rise, in 1873, the condom industry hit a snag. American reformer Anthony Comstock got his so-called Comstock Law passed. The Comstock Law banned people from sending condoms—and other contraceptives and “immoral goods,” including sex toys—through the mail. Most states also created their own “mini-Comstock” laws, some of which were stricter. Condoms didn’t disappear, but were forced to go underground.

Solche Leute darf man nicht vergessen, wenn man sich heute über rückständige Einstellungen in manchen Teilen der Welt ärgert – oder das so offene und freigeistige Wesen des Westens lobt. Vor kurzem war es hier nämlich noch ähnlich, aber wir verdrängen nur all zu gerne, wie verdammt lange man eigentlich braucht, um Dinge wirklich zu ändern.

Rippchen? Ja doch, warum nicht…

Heute mal was von Twitter*:



Und was denkt ihr so? Wonach sollten dann Kondome mit Noppen schmecken? Happy Kopfkino zum Wochenende!

*Wer hier nichts sieht (weil: Javascript deaktiviert, Twitter gesperrt, externe Links blockiert…): Hier ist ein Screenshot.

Wo dann ist, gibt es keine Fackel

Eine mir bis dato völlig unbekannte Seite (Archiv-Version) beschäftigt sich – sprachlich sehr holprig, aber lustig, siehe Überschrift – mit Kondomen in der Sowjetunion. Da dieses Thema eigentlich sehr selten aufgegriffen wird, habe ich mir die Mühe gemacht, den Artikel zu lesen.

Trotz einiger moderner Mythen, Stereotypen und Vorurteile über die Sowjetunion hatte das Land nicht nur Sex, sondern auch Verhütungsmittel, nämlich Kondome. […] Die ersten Kondome wurden ab 1936 im Werk Bakovsky hergestellt. Dies war auf das Dekret Stalins zum Abtreibungsverbot zurückzuführen. Insgesamt gab es drei Arten von Produkten, die sich in der Größe unterschieden: Nr. 1 – klein, Nr. 2 – mittel und Nr. 3 – groß. [… ] Das Produkt wurde nur in Apotheken verkauft, es bestand aus dichtem, hartem Gummi, und um ein Anhaften zu verhindern, wurde es mit Talk bestreut. Die Farbe des Gummis war gelblich und roch ziemlich unangenehm. […] Mitte der 60er Jahre wurden Schutzausrüstungen in Einzelverpackungen hergestellt, und in den 70er Jahren erschienen die ersten Hauskopien, ähnlich der modernen Version: mit einem Samensammler in Silikonfett- und Folienverpackung. […] Das Fazit ist, dass (wie viele bereits vermutet haben) sogar Kondome in der UdSSR überhaupt nicht universell waren und in mehreren Versionen erhältlich waren.

Wenig wirkliche Informationen, aber lustig zu lesen allemal. Auch wenn ich schon jede Menge Russen getroffen habe, die besser Deutsch konnten – wobei dem Verfasser mit ziemlicher Sicherheit auch der Kollege Google T. Ranslator bei dem einen oder anderen Abschnitt geholfen haben dürfte. Leider ist die russische Originalversion nirgends verlinkt.

Das bizarre Leben der Frau P.

Gerade wieder mal einen Clickbait-Beitrag gelesen („Supermarkt-Mitarbeiter packen aus: Sieben bizarre Dinge, die Kunden zurückgeben wollten„, Archivversion hier), der dank uMatrix sogar lesbar auf gut eine Seite passte (Ja, Ihr Werbe- und Trackingfuzzis, ich verweigere mich Euren Versuchen, mich zu tracken und zu monetarisieren. Irgendwann fing es einfach an zu viel zu werden, und seitdem muss ich Euch leider aussperren). Folgender Zweizeiler fiel mir dabei ins Auge:

Ein Mitarbeiter der US-Supermarktkette erklärte schließlich, dass er einfach nur noch fassungslos* war, als ein Kunde eine „geöffnete Packung Kondome“ am Rückgabeschalter abgab.

Warum muss man hier die geöffnete Packung Kondome fett und in Anführungszeichen setzen? Liebe Frau Jasmin Pospiech von der Frankfurter Rundschau, Online-Redakteurin im Special-Interest-Bereich (Ihr Name steht als „Verfasserin“ des Artikels da), das macht man eigentlich nur, wenn man etwas nicht so ist, wie es zu sein scheint. So habe ich Sie als „Verfasserin“ in Anführungszeichen gesetzt, da Sie diesen Beitrag zwar (ohne die Quelle zu verlinken oder die dort genannte Verfasserin zu benennen) vom „Business Insider“ kopiert haben, ihn aber vermutlich nicht eigentlich „verfasst“ haben (gerne lasse ich mich aber korrigieren, wenn Sie es belegen können); den gleichen Beitrag findet man nämlich bei sehr vielen „Zeitungen“ (in Anführungszeichen, weil eigentlich nicht mehr Zeitung, sondern Werbeschleuder mit Content-Häppchen), schauen Sie mal bei Google nach dem Satz „Gegenüber dem Business Insider haben jetzt 37 Target-Mitarbeiter ausgepackt“ aus „Ihrem“ Artikel. Hmnja, egal. Nicht mein Problem.
Zurück zum Thema: Eine geöffnete Packung Kondome ist jedenfalls genau das, was sie zu sein vorgibt – eine geöffnete Packung Kondome. Anführungszeichen sind daher fehl am Platz – genau wie die „Fassungslosigkeit*“ des Mitarbeiters, der – wenn er wirklich schon eine Weile „mit arbeitet“ und nicht nur ein Aushilfspraktikant war – wissen müsste, dass sehr viele Kunden überhaupt keine Hemmungen haben, benutzte Dinge zurückzugeben (und den Neupreis als Erstattung zu fordern). Gerade im Versandhandel erleben wir das täglich – angefangene Kondompackungen, bereits benutzte Artikel, leere Schachteln. Das haut hier keinen mehr um.
Na ja, Clickbait eben. Abgesehen davon empfinde ich es als sehr – hm, wie sage ich das, ohne beleidigend zu werden? – skurril, heutzutage Kondome noch als „bizarre Dinge“ zu bezeichnen. Wo sind Sie aufgewachsen, dass Sie sowas nicht kennen?
Ach sorry, ich vergaß. Ist ja nicht Ihr Artikel.

* Kleiner Tipp am Rande: Englisch lernen hilft. Wenn im Original „startled“ steht, kann man das nun wirklich nicht als „einfach nur noch fassungslos“ übersetzen. Aber die Übersetzung ist bestimmt auch nicht von Ihnen, oder?

Kondome werden wieder beliebter

Gut Ding will Weile haben, sagt das Sprichwort, und so ist es. Das gilt zum Beispiel auch für die Auswertung der Ergebnisse einer bereits im Dezember 2018 angefangenen Umfrage zum Sexualverhalten Erwachsener, die durch die BzGA veranlasst wurde.
Das (aus meiner Sicht) wichtigste Ergebnis: die Akzeptanz und Nutzung von Kondomen zur Verhütung hat weiter zugenommen:

Das Kondom gewinnt als Verhütungsmittel an Bedeutung. In den Vorgängerstudien erwies sich die sexuell aktive Bevölkerung in ihrem Verhütungsverhalten seit Jahren als sehr konstant; auf die einzelnen Methoden entfielen immer etwa die gleichen Anteile. In der aktuellen Studie manifestiert sich ein Verhaltenswandel. Die Nutzung des Kondoms ist deutlich angestiegen (plus 9 Prozentpunkte gegenüber 2011).

Weitere interessante Punkte: Gerade viele „Einsteigerinnen“ verzichten auf die chemische Belastung ihres Körpers durch Pille & Co und setzen statt dessen auf Barrieremethoden; die Sicherheit des Verhütungsmittels ist entscheidend bei der Auswahl; viele verhüten noch „doppelt“ (d.h. mit Pille UND Kondom).
Und wer jetzt auch meine übliche Meckerei wartet: Nein, ich habe mal nichts zu meckern*. Statt dessen empfehle ich den gesamten Beitrag zu lesen.

*… abgesehen davon, dass niemand erwähnt hat, dass dieses Blog eine der wesentlichen Triebkräfte für die zunehmende Akzeptanz von Kondomen ist. Hrmpf.

Verrohung durch Kondome?

Es gibt Werbungen, die ein Pärchen zeigen, das direkt nach dem Kennenlernen mit einem Kondom gemeinsam verschwindet. Das ist eine Darstellung von Ruck-Zuck-Sexualität, die zu sexueller Verrohung führen kann.

Albert Wunsch, Erziehungswissenschaftler, unterstützt durch Verena Weigand, Bereichsleiterin Medienkompetenz und Jugendschutz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). (Archiv-Version)

Wir lassen das jetzt mal so ein Weilchen sacken…
Ist es wirklich das Verschwinden mit Kondom, das zu sexueller Verrohung führen kann? Ernsthaft? Das erinnert mich irgendwie an die beispielsweise im südlichen Schwarzafrika verbreitete Vorstellung, Kondome würden zu Untreue verleiten (weil Seitensprünge ja keine Folgen mehr hätten), oder an fundamental-christliche Vorstellungen, dass die Sünde der Unzucht ja erst durch das Kondom so richtig aufblühen kann.

Den Rest des Artikels muss man nicht lesen – das ständige Gejammere um die eigene Unfähigkeit, Kindern zu erklären, was man schon längst hätte erklären sollen, bevor man sie „anstößigem“ Werbefernsehen aussetzt. Ja, Fernsehwerbung ist böse, Kondome natürlich auch, und wenn die Werbung nicht ständig und permanent Sexspielzeuge und „Ruck-Zuck-Sexualität“ anpreisen würde wie Sauerbier, würden unsere Kinder nicht zu sexuell verrohten Menschen heranwachsen, und die geplagten Erwachsenen müssten nix erklären, was ihnen peinlich ist.

Unsere Gesellschaft war da schon mal ein paar Schritte weiter.

(Oder das war alles natürlich ganz anders gemeint, und ich reagiere nur allergisch auf alle Versuche, Erziehung zu vergesellschaften. Wer weiß.)