LĂ€uft wie geschmiert

Ich muss doch wechseln; mein vormaliges Lieblingsportal „Gute Frage“ bringt nichts interessantes mehr 🙁
Ich gehe statt dessen zu Amazon, dieser Fundgrube an neuen, innovativen, preiswerten und interessanten Kondomen. Neuester Bringer: ein „festes HyaluronsĂ€ure-Kondom“ aus „geschmiertem ultradĂŒnnem Sex-Sicherheitsmaterial“ (Amazon | Archiv). Das Bild verunsichert mich zwar ein wenig (WTF ist das da drin!?), aber die zugesagten Eigenschaften sind ĂŒberzeugend – ein nacktes, supraleitendes schwarz-gold-silbernes Durex-Kondom zur OberflĂ€chenstraffung, mit dem mein Leben besser wird, kann man bei dem angebotenen Preis von EUR 2,33 / 10 StĂŒck einfach nicht ablehnen (auch wenn der angegebene Liefertermin 3.7., hmnja, fĂŒr spontane Aktionen eher unpraktisch ist). Beruhigend und vertrauenerweckens ist auch der Name des VerkĂ€ufers: „tranquili“ klingt doch um LĂ€ngen besser als der angegebene Firmenname „guangzhouxinlongtai shangmaoyouxiangongsi“. Leider kann Google Maps mit der Firmenadresse „haizhuqufengyangjiedongxiaonanlu247hao guangzhoushi guangdongsheng 510260“ nicht wirklich was anfangen, aber China ist toll. Bestimmt mag ich China.

Mangelware

wird das Kondom hoffentlich nicht werden. Momentan stehen zwar viele Fabriken still – unter anderem ist auch ein Teil der Produktion des malaysischen Großherstellers Karex gestoppt worden, und auch Thailand wird wohl bald nachfolgen -, aber eine nach der anderen macht mit „Ausnahmegenehmigung“ oder Ă€hnlichen Sonderregelungen wieder auf. Mehr dazu hat Reuters.
Ich bin allerdings optimistisch, dass zumindest im Einzelhandel hier in Mitteleuropa auch 1 Monat Produktionsstillstand keine gravierenden MĂ€ngel in den Regalen bedeutet; die meisten Lager – egal ob beim Großhandel oder vielen Versendern – sind gut gefĂŒllt. Vielleicht ist das auch eine Chance fĂŒr viele kleinere, seltener gekaufte Marken, wenn Durex sich mal eine Weile zurĂŒckziehen muss…

Islamistische Terrorkondome in England!

Ein Gespenst geht um in Europa (na ja, nicht ganz, nur in England, das ist bekanntlich was anderes, aber soooo breit ist der Kanal ja nun auch nicht) – das Gespenst des Kondomterrorismus!

Was war passiert? Eine Kondomkrise war ausgebrochen:

krise

Der blanke Horror…

risk

Die englische Polizei hat bei einem dubiosen eBay-HĂ€ndler 10.000 Schrottkondome in Durex-Folien gefunden. Das ist natĂŒrlich Ă€rgerlich, denn die Kondome, die da als vermeintlich gute Markenware vertickt wurden, sind offensichtlich so mies, dass sie nicht mal die grundlegenden Tests bestehen (wer stellt sowas her? Selbst fĂŒr den einheimischen Markt in China gibts gewisse Standards… Nun ja, wer lose Kondome vermeintlich supergĂŒnstig bei eBay kauft, ist eigentlich schon ein Fall fĂŒr die Zwangskastration – denn leider fĂŒhrt ja gerade die Anwendung von löchrigen Kondomen dazu, dass diese Geiz-ist-Geil-Typen sich ungehindert fortpflanzen, wĂ€hrend die, die vernĂŒnftigerweise gute Kondome verwenden, ihren Stammbaum der geplanten Obsoleszenz zufĂŒhren). Außerdem… wenn sich „Millionen Briten“ diese 10.000 Kondome teilen mĂŒssen, das ist dann schon riskant…

Sei es, wie es sei, sowas passiert immer wieder, es gibt ja immer wieder Abnehmer und daher auch immer Leute, die diese Nachfrage befriedigen. Kapitalismus pur. Aaaaaaber… wir leben ja in der Ära nach 9/11, und da hat natĂŒrlich alles einen ordentlichen terroristischen Hintergrund zu haben, schließlich gibt es ja berechtigte Sicherheitsinteressen, nicht wahr, und wir brauchen mehr Überwachung, denn:
jihadists

Zieht Euch warm an, Leute. Bald kommen die KondomhÀndler der ISIS und zwingen Euch, gefÀlschte Kondome zu kaufen, damit sie ihren Staat damit finanzieren können.

Social Sex

Daumen runterWillkommen in der Welt der Wissenschaft (oder so). „Der Kondom-Hersteller Durex gibt ĂŒberraschende Studien-Ergebnisse bekannt: Demnach ĂŒberprĂŒfen gut fĂŒnf Prozent der Smartphone-User wĂ€hrend des Liebesspiels Facebook, zwölf Prozent telefonieren“, meldete gestern der FOCUS und bot damit wiedermal ein typisches Beispiel fĂŒr den investigativen Journalismus, den dieses BlĂ€ttle auszeichnet.
Ungeachtet der Tatsachen, dass Durex kein Kondom-Hersteller ist (Durex ist eine Marke, Hersteller wĂ€re Reckitt-Benckiser als MarkeneigentĂŒmer) und das Ganze natĂŒrlich auch keine Studie (und mal ganz außen vor gelassen, dass der Einzige, der Facebook „ĂŒberprĂŒfen“ könnte, der Bundesdatenschutzbeauftragte wĂ€re), und wird zumindest mal eine Quelle fĂŒr diese (schlampig ĂŒbersetzte) Meldung angegeben – nĂ€mlich CNET, wo die Studie schon zu einer Umfrage geschrumpft ist und als Quelle lediglich auf eine Pressemeldung von Durex verwiesen wird, die (wörtlich!) in mehr als 40 „Nachrichten“-Portalen wiedergekĂ€ut wird (Stand gestern abend; heute werden es noch mehr sein).
Weder bei Durex selbst noch beim benannten UmfragedurchfĂŒhrer OnePoll finden sich jedoch Hinweise auf diese Umfrage, so dass wir weder wissen, wieviele Leute befragt wurden noch wann das Ganze stattfand. Hmnja. Mehr als

A recent poll for Durex (OnePoll) on the UK’s sex life revealed shocking statistics including 12% of people had answered a phone during sex, one in ten had read a text and over 5% of respondents had even checked Facebook while making love.

ist nirgendwo zu finden.
Was sagt uns das also? Wiedermal eine typische Luftnummer; billige Effekthascherei. Offenbar wird bei Durex das Geld fĂŒr richtiges Marketing langsam knapp…

Bei Durex gehen die Lichter aus

Nein – nicht, dass jemand denkt, die geben auf, keinesfalls. Es geht vielmehr um die Umweltinitiative „Earth Hour“, bei der – als Signal zum Energiesparen – am 29. MĂ€rz in vielen StĂ€dten eine Stunde lang die Lichter ausgehen sollen.

Eine ungenutzte Stunde – und dazu noch im Dunkeln? Könnte man ja ins GrĂŒbeln kommen. Oder ĂŒber’s Energiesparen nachdenken. Nee, geht ja mal gar nicht. Lieber… na ja. Hauptsache, man kann sich wieder mal in den Vordergrund rĂŒcken.

Durex ist kein Konzern

Daft Punkt WerbekondomManchmal kriege ich echt die Krise, wenn ich so qualitĂ€tsjournalistische AuswĂŒrfe zu lesen bekommen – insbesondere, wenn diese dann hundertfach wiedergekĂ€ut und auch noch im letzten KĂ€seblĂ€ttl irgenwo aufs Papier gerotzt oder als Bindemittel zwischen Online-Werbebannern benutzt werden. Dieser Tage geht eine „Meldung“ (ich kann das nur in AnfĂŒhrungszeichen schreiben, sorry) ĂŒber so eine obskure Band namens Daft irgendwas durch den Online- und RaschelblĂ€tterwald, da stehen dann so Sachen wie:

  • Daft Punk & Durex bringen Kondome auf den Markt (OK!Magazin)
  • Daft Punk: Ihre Kondom-Linie wird zum Club-Hit (Klatsch-Trasch.de)
  • Daft Punk: “Get Lucky” gibt es jetzt auch als Kondom
  • „Get Lucky“ dank Daft Punk: Französisches Elektro-Pop-Duo bringt Pariser heraus (Stern)
  • Das Due Daft Punk stellt jetzt Kondome her (dpa)
  • Daft Punk verkaufen Kondome „Get Lucky“ mit VerhĂŒtungsmitteln (Pro Sieben)

(Nein, ich verlinke den Mist nicht. Sucht’s Euch selber, wenn Ihr’s braucht)
Da ist dann im „Text“ vom „Kondom-Konzern Durex“ die Rede; einen Tag vorher war es noch eine „Kondomfirma“ – dass das nur eine Marke ist, die dem US-amerikanischen Mischkonzern Reckitt-Benckiser (andere Marken: Clearasil, Calgon, Nurofen, Vanish, Finish…) gehört, ist irgendwie uninteressant. Das Ganze wird als „skurrile GeschĂ€ftsidee“ bezeichnet, die nur noch durch – man glaubt es kaum – Action-Figuren (!) ĂŒberboten werden wird… und all das ist so wahnsinnig neu und phantastisch und großartig und skurril und geil und wow… Ja, Kondome mit VerhĂŒtungsmitteln, wo gibts denn sowas. Und die Zwei-Mann-Band mutiert in der Presse auch gleich zum „Hersteller“ (wenn die sich selbst als solcher bezeichnen wĂŒrden, wĂ€re das in Deutschland schon Grund fĂŒr eine saftige Abmahnung).
Reality Check: Eine „eigene Kondommarke“ kann jeder herausbringen. Es gibt genĂŒgend Firmen, die direkt auf sowas spezialisiert sind (nennt sich „private label“), und so gut wie jeder Hersteller bietet das quasi als NebenbeigeschĂ€ft mit an – genau das, was auf dem Bild zu sehen ist: ein schlichtes Werbekondom.

Wissen BILD-Leser nicht, wie ein Kondom aussieht!?

aufgeklebte KondomeNun, zumindest hat es den Anschein; warum sonst mĂŒsste BILD ein Foto derart nachbearbeiten? Ein kĂŒrzlich veröffentlichter Beitrag ĂŒber die Forderung der Hamburger GrĂŒnen-Chefin nach kostenlosen Kondomen fĂŒr Hartz-IV-Bezieher wurde mit einem Foto der Politikerin illustriert, auf dem sie drei Kondome zeigt – es könnte ja sein, dass jemand nicht weiß, wie die so aussehen. Damit das Ganze noch deutlicher wird (es bestĂŒnde ja sonst die Möglichkeit, dass man die viereckigen Siegelfolien mit dem deutlich sichtbaren Aufdruck „Durex“ fĂŒr irgendentetwas anderes halten könnte – Schokoriegel, Dollars, Bildungsgutscheine…), hat der zustĂ€ndige RealitĂ€tsverzerrer noch schnell ein Kondom außen auf die Siegelfolie draufretuschiert Durex Kondom (Sorte: Be Close, Juni 2013) Vorderseite(links im Bild ein echtes Durex-Kondom, mal schnell eingescannt). NatĂŒrlich könnte dadurch jetzt (zumindest bei Leuten, die noch nie Kondome benutzt haben – ist das die Zielgruppe der BILD?) der Eindruck entstehen, Kondome gebe es nicht hygienisch versiegelt IN einer Folie, sondern aufgeklebt AUF eine solche. Ich weiß ja, dass BILD-Leser gerne fĂŒr dumm gehalten werden, und dass deswegen viele Politiker gerne in der BILD auftreten, wo sie meist unwidersprochen den grĂ¶ĂŸten Blödsinn ablassen können, aber manchmal… ach, vergessen wir’s.

Ich bin dafĂŒr, BILD-Redakteue mit gratis Kondomen zu versorgen. Durex, ausgepackt und augeklebt, natĂŒrlich. Vielleicht kann dann die nĂ€chste Generation Zeitungsleser wieder Vertrauen fassen in die Berichterstattung.

Bild- und Artikelquelle: www.bild.de/regional/hamburg/kondome/gratis-fuer-beduerftige-fordern-gruene-30785958.bild.html, Bild-Unterschrift: „Hamburgs GrĂŒnen-Landeschefin Katharina Fegebank (36) will Menschen mit Hartz IV bei der VerhĂŒtung helfen“, Foto: Ronald Sawatzki. Ich lasse ja in diesem Blog nicht gerne den Piraten raushĂ€ngen, aber ich hoffe, der Ausschnitt ist klein genug, dass hier nicht gleich wieder eine Horde AnwĂ€lte wegen Urheberrechtsverletzung in die Spur geschickt wird, weil ich mit dem „Content-Diebstahl“ die gesamte Familie des Fotografen (der von der kleinen „Nachbearbeitung“ seines Fotos möglicherweise gar nichts weiß?) ins jahrhundertelange Elend stĂŒrze. Das veröffentlichte Bild ist 1280×720 Pixel groß, besteht also aus 921.600 Bildpunkten; der Ausschnitt ist 128×146 Pixel große, hat also 18.688 Bildpunkte, das entspricht 2% des Originalbildes. Sollte als Zitat gerade noch durchgehen.

Ach so, was wollte die GrĂŒne da gleich noch? Ach ja: „IHRE FORDERUNG: KONDOME GRATIS. SPIRALE UND PILLE AUCH! Ein Rundum-Sorglospaket sozusagen wie es vor 2005 war, bis die Hartz-IV-Gesetze eingefĂŒhrt wurden.“ Ich glaube, die Grammatik ist © BILD, die junge Frau sieht dafĂŒr zu intelligent aus. Und natĂŒrlich gab es auch vor 2005 kein Recht auf Gratiskondome. Aber hej, wen scheren schon solche kleinen Retuschen an der RealitĂ€t 🙂 Schließlich stecken in dem „Artikel“ ja noch ein paar mehr.

Durex? Fail! Batman wins.

Seitdem die Marke Durex zum großen US-Konzern RB gehört, weiß dort die rechte Hand nicht mehr, was die Linke tut. Katastrophal in Auge gehende Social-Media-Kampagnen auf der einen Seite (Durex condoms‘ social media strategy goes wrong, berichtet MSN Money ĂŒber eine Kampagne, die total vertrollt endete) und die „Love Ville“ Bologna auf der anderen Seite (Durex kĂŒrt Bologna zur „Loveville“: Wie man clever Kondome vermarktet) machen die Marke zu einer ziemlich unĂŒbersichtlichen Spielwiese fĂŒr Werbeagenturen. Nun ja, Durex kann sich’s leisten – und offenbar steckt man das Geld lieber in Werbung als in bessere Ware (seit Jahren hat Durex noch keinen Nachfolgeproduzenten oder -produkt fĂŒr die Avanti Ultima gefunden…). Ich wĂŒrde mich nicht wundern, wenn die Kunden irgendwann entdecken, dass Durex-Kondome eigentlich nichts besonderes sind, sondern auch oft nur vom preiswertesten Dritt-Anbieter gefertigte Auftragsware, die zu ĂŒberhöhten Preisen vertickt wird. Aber egal – es gibt ja genĂŒgend Alternativen.

Nigeria Connection

Nigeria Bus PreacherNun ja, Nigeria ist fĂŒr jeden, der berufsmĂ€ĂŸig viele eMails bekommt, ja normalerweise ein Land, um das man einen großen Bogen macht; berĂŒhmt-berĂŒchtigt durch die „Nigeria Connection“ oder den „Nigeria Scam“, und unter Komdomherstellern ist das Land wegen der vielen scheinbar aus irgendwelchen Ministerien kommenden Anfragen nach soundsoviel Millionen Kondomen auch schon so ziemlich die unbeliebteste Gegend, in die man ein Angebot schickt. Das fĂŒhrt dann dazu, dass man dort eben keine wirklich guten Kondome bekommt – außer Durex ist da nicht viel zu haben, wenn man von den durch die Regierung verteilten chinesischen WundertĂŒten mal absieht. Mit der Zeit bekommt der durchschnittliche Nigerianer also eine gewisse Allergie gegen die AllgegenwĂ€rtigkeit der Marke Durex – was dann dazu fĂŒhren kann, dass Leute, denen Durex-Kondome aus der Tasche (oder, wie in diesem Fall, aus der Bibel) fallen, mal böse eins auf die RĂŒbe bekommen:

A bus preacher was almost lynched on Saturday morning at Toyota Bus stop, in front of the popular Ladipo Spare parts market, when some condoms allegedly fell out of his bible as he preached the ‘Word of God’. […] According to an eye witness, Mr. John Mbakogu, who was on his way to his shop at Ladipo, “People were just falling as he was laying hands. One man almost fell out of the bus under the influence of the Spirit. It was amazing until he raised his hands to cast the demons out of one girl, and 2 Durex condoms fell out.”

So schreibt die Daily Post. Interessant, auf was die Leute so achten, wenn jemand predigt.

Zwischendurch: Kondomwerbung

(c) DurexUnd wieder einmal beschĂ€ftigt sich ein Blog mit der schon fast legendĂ€ren Kondomwerbung von Durex – diesmal finden sich „31 kreative Durex Kondom-Ads“ im Klonblog – ohne viel Kommentar an- bzw. untereinander gereiht, aber nichtsdestotrotz sehr sehenswert.