Freiheit sollte man aushalten können

Die römisch-katholische Kirche hat eine lange und beschämende Tradition, wenn es um Gesinnungsterror und die Verhinderung von Meinungsfreiheit geht, aber sie hat sich in der Neuzeit auch entwicklungsfähig gezeigt – mit dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Katholik heutzutage nicht mehr zum Schwert greifen muss, wenn er einem Nichtkatholiken begegnet, und auch durchaus in der Lage ist, die Existenz anderer Weltanschauungen anzuerkennen und sich, kurz gesagt, um seinen eigenen Kram zu kümmern.
Heutzutage kommen die militanten Kreuzzügler eher aus dem Lager der extremen (sogenannten) „Linken“, wo man die Demolierung fremden Eigentums oder die „Umgestaltung“ (sprich: Demolierung) von Läden im Interesse der Bekämpfung „falscher“ Meinungen (der Inhaber) für legitim, ja sogar geboten hält. Warum erzähle ich das? Es gibt in Berlin eine Apotheke, deren Inhaber offen als Katholik auftritt, seine Offizin entsprechend mit Porträts des Staatsratsvorsitzenden Papstes und Kreuzen dekoriert und Verhütungsmittel (wie z.B. Kondome) nur sehr ungern – und wenn, dann mit der freundlichen Aufforderung versehen, doch lieber Kinder zu bekommen – vertreibt. Nun mag das nicht jedem gefallen, aber angesichts der ohnehin zu großen Apothekendichte in der Gegend ist ja auch niemand gezwungen, dahin zu gehen (und nebenbei geagt: aus berufsrechtlicher Sicht gab es gegen diese Apotheke noch nie Beanstandungen), was aber manche Moralwächter nicht davon abhält, handgreiflich zu werden:

Zum Weltfrauentag 2009 gab es deshalb erstmals eine Protest-Demonstration gegen ihn, zum Weltfrauentag im März 2010 ging seine Schaufensterscheibe zu Bruch, 2011 ein weiteres Mal. Zum zweiten Anschlag bekannte sich eine Protestgruppe im Internet. Man habe die Apotheke „umgestaltet“, dabei seien „einige Scheiben zu Bruch“ gegangen. Die Begründung: Die Apotheke vertrete ein verschärftes Bild einer patriarchalischen Gesellschaft.
Im März 2014 wurde das Schaufenster der Undine-Apotheke fast vollständig mit roter Farbe beschmiert. Auch hier riefen die Täter zur Teilnahme am „Frauenkampftag“ auf. Ein paar Monate darauf musste Kersten eine weitere Farbbeutelattacke verkraften. Auf der Website indymedia.org schrieben die selbst erklärten Täter aus der linken Szene: „Wer aus Gewissensgründen meint, Frauen das Recht auf Selbstbestimmung streitig machen zu müssen, darf sich nicht wundern, wenn er aus Gewissensgründen seinen Laden demoliert bekommt.“

So schreibt Apotheke adhoc gestern über den „Moral-Apotheker“ (Leute! Bitte! Der hat wenigstens noch eine…).
Meine Meinung? Wenn ich Kondome kaufen will, würde ich ohnehin nicht zu einer katholischen Apotheke gehen (sondern online einkaufen), und davon, anderen eine Meinung mit Gewalt aufzudrücken, halte ich schon mal gar nichts. Solange es eine Niederlassungsfreiheit für Apotheken gibt (das ist nicht in jedem Land so), spricht nichts dagegegen, dass man sich aussuchen kann, in eine katholische, islamische oder schwul/lesbische, in eine Familien oder Frauen-Apotheke (oder von mir aus auch in eine Apotheke für alte, weiße Männer) zu gehen, so wie man sich auch seinen Lebensmittelhändler frei wählen kann.
Die Undine-Apotheke schließt Ende September. Manche werden sich nun ins Fäustchen lachen, andere schadenfroh jubeln. Ich finde es einfach nur beschämend, dass man Menschen mit abweichenden Ansichten heutzutage in Deutschand so behandeln darf.
Ich suche mir meine Freunde jedenfalls nicht danach aus, ob sie Kondome mögen oder nicht.

Hartzer: heute gratis Kondome – morgen Fortpflanzungsverbot?

Irgendwie geistert das Thema hier schon durchs Blog, seitdem ich hier schreibe – irgendjemand (mal dieser, mal jener, aber die Grünen sind nie weit weg) fordert immer wieder gratis Kondome für Geringverdiener:

Die Grünen im Bundestag wollen Empfängern staatlicher Leistungen wie BaföG, Hartz-IV oder Wohngeld einen kostenlosen Zugang zu ärztlich verordneten Verhütungsmitteln verschaffen. „Gleichzeitig muss auch der kostenlose Zugang zu Kondomen gefördert werden“, heißt es in einem Antrag der Fraktion.

… schreibt aktuell die MZ und beklagt die „zu teuren Verhütungsmittel“. Echt mal, jetzt. Genügend Geld für Kondome ist im Regelsatz drin, das habe ich vor Jahren schon durchgerechnet, und der Preisanstieg seitdem ist weitaus geringer ausgefallen als der für Schokolade, Zigaretten, Benzin oder eigentlich alles.

Manchmal weiß man echt nicht mehr, was man noch sagen soll. Warum tun die das? Sollen die keine Kinder mehr kriegen dürfen, oder was? Gebt ihnen gratis Kondome, und die Ausgaben für Kindergeld werden wieder sinken? Wir haben Kindergartenplätze für alle versprochen, aber es klappt nicht, also müssen wir halt die Nachwuchszahlen reduzieren?
Es gibt einige Länder, in denen man sich als Bedürftige(r) schon jahrelang gratis Kondome holen kann – nur: es bringt nichts. Gratis Kondome werden mit Sicherheit auch hierzulande die Kinderzahl von Geringverdienern NICHT wesentlich beeinflussen. Bleibt dann nur noch die staatliche Regelung der Kinderzahl – Geringverdiener maximal zwei (davon natürlich mindestens ein Mädchen, zwei Jungs wäre ja …. aber das ist ein anderes Thema), und dann je nach Gehalt etwas mehr. Vielleicht kriegt man ja auch diese Weise die Schere zwischen arm und reich wieder geschlossen – Reiche müssen je nach Vermögen mindestens soundsoviel Kinder kriegen (nötigenfalls halt adoptieren), damit verteilt sich die Erbmasse und das Vermögen der Einzelnen sinkt wieder, und Arme pflanzen sich einfach gar nicht mehr fort, dann stirbt die Armut einfach aus und alle sind gleichmäßig mittelreich…
Tja. Geliefert wie bestellt, höre ich da schon… und mit gratis Kondomen gehts los. also: Lasst es doch endlich.

Allet Jute

Ach, wenn es doch nur so einfach wäre mit der Satire – gerade wenn die EU-Brüssokratie eine Steilvorlage nach der anderen liefert, gäbe es doch nun genug Dinge, die man durch den Kakao ziehen könnte (in der Einweg-Plastiktasse, selbstverständlich, solange es noch geht, und am besten mit Wattestäbchen noch mal umrühren). Aber dass Satire manchmal nur noch peinlich ist, beweist heute das „Glasauge“, nach eigenen Angaben DAS SATIREMAGAZIN DER WELT (OK, kann man auch durchaus selbstsatirisch verstehen):

Aufgrund des geplanten Plastikverbots in der EU gilt beim Liebesspiel eine neue Verordnung: Kondome müssen wiederverwendbar und aus organischen Materialien sein.

Haaaaa haaaaaa haaaaaa (So auf Faultier-Art, wie in dem Trickfilm, wissenschon).
Nichts am normalen Kondom ist aus Plastik (außer der Einsiegelung der Umverpackung der Siegelfolien, Sie wissen schon, Verpackungsqual dritten Grades und so). Kondome sind aus organischen Materialien (zumindest war Latex, als ich das letzte Mal ins Lehrbuch geschaut habe, noch organisch. Künstliche Gummibäume aus Plastik gibts vielleicht beim Homedesigner, aber nicht in der Gummifabrik), und sie sind (zumindest prinzipiell) wiederverwendbar (dass man das aus gewissen Gründen nicht machen SOLL, weswegen es auch groß auf jeder Packung draufstehen muss, ist was anderes und – obwohl auch EU-Regelung – zweifellos auch sinnvoll, sofern man nicht weitab in Afrika wohnt, wo in einigen Gegenden aus Mangel und Not Kondome tatsächlich mehrfach verwendet werden, zumindest solange Afrika noch nicht in der EU ist).

Spätestens neun Monate nach der neuen Kondomverordnung werden viele EU-Bürger feststellen, wohin Konsum ohne Sinn und Verstand führt, und womöglich mehr auf wiederverwendbare Sexualpartner setzen.

Haaaaa haaaaaa haaaaaa. Echt mal jetzt.

Stoppt die globale Erwärmung! Benutzt Kondome!

Na das wäre doch mal DAS ultimative Pro-Kondom-Argument, insbesondere für Leute, die von anderen gern „linksgrünversiffte Gutmenschen“ (googelt mal, ist lustig) genannt werden. Wie ich darauf komme? Ich war gestern ja seit längerer Zeit mal wieder twittern und fand das hier:
Sowas macht mich natürlich sofort mehr als neugierig, so dass ich natürlich voller Vorfreude den Link anklickte. Ich landete, wie ja eigentlich nicht anders zu erwarten, auf einer Wir-sind-ja-so-toll-Seite (vulgo: landing page) zugunsten des Onlinehändlers Lucky Bloke, wo ich dann nach heftigen Scrollversuchen und der widerspenstigen Lektüre von 697 (ich habs gezählt!) Worten Werbung folgenden Satz fand:

After all, fewer unintended pregnancies means a smaller population, which in turn means less poverty and even reduced greenhouse gas emissions.

Captain Obvious hatte wieder einmal zugeschlagen! Aber natürlich kann man auch das noch ausführlicher erklären – es ließ sich nämlich noch weiterklicken, und zwar zu einem Beitrag im Salon vom letzten Sommer(loch), der aber auch nur einen gekürzten Auszug aus “Drawdown: The Most Comprehensive Plan Ever Proposed to Reverse Global Warming.” (Hrsg. Paul Hawken, Penguin Books 2017) darstellt.

Nun ja. Hindert die (armen) Leute daran, sich fortzupflanzen, und alles wird gut.
Nicht.

Mittwoch ist Schwurbeltag

Ich bin gerade über eine Seite gestolpert (kommt ja öfter mal vor, sowas). Lauter medizinische und Medizin-affine Themen, viel Text. Unter anderem einer mit dem Titel „Was ist ein Kondom?“. Gute Frage, dachte ich, man sollte ja mal wieder zu den Basics zurückkommen; man setzt ja immer voraus, dass alle Leute wissen, was ein Kondom ist – was aber, wenn jemand das tatsächlich nicht weiß?
Lesen wir also mal in diesem Artikel (Ihr müsst da nicht hin, und wenn doch, dann macht vorher den Adblocker an, da ist haufenweise Werbung dazwischen):

Ein Kondom ist eine Hülle aus Latex, Polyurethan, Polyisopren oder Lammfell.

Lammfell, soso. Kuschelkondome, oder was? Echt jetzt? Ach nee, doch nicht:

Lammfell-Kondome werden aus Schafdarm hergestellt

Jaaa soo. Alles klar, Liegt ja auch auf der Hand. Schaf = Lamm und Fell = Darm. (Gemeint sind sicherlich diese; andere gibt es von dieser Art nicht)

Trockene Kondome sind vorhanden, aber geschmierte Kondome machen oft sexuelle Aktivität für beide Partner bequemer.

Klar. Läuft ja dann wie geschmiert. 🙂

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Voraussetzungen für die Kondomqualität empfohlen, die viele Länder folgen.

Äh… nein. Es ist nicht wie WHO, sondern die ISO, und sie hat nichts empfohlen, sondern festgelegt, und zwar nicht die Voraussetzungen für die Qualität, sondern die Mindestanforderungen an die Qualität. Aber sonst, ja, im Prinzip schon, durchaus, wie der Sender Jerewan melden würde.

Weibliche und männliche Kondome sollten nicht gleichzeitig verwendet werden.

Nee, nicht dass die sich dann noch fortpflanzen. Geht ja gar nicht. (Es heißt „Kondome für Männer“ und „Kondome für Frauen“ bzw. „Frauenkondome“. Das Kondom als solches ist immer sächlich, es kann sich also nicht fortpflanzen, sondern muss nachgekauft werden.)

Kondome, die das Spermizid Nonoxynol-9 enthalten, werden nicht für Paare empfohlen, die Kondome für irgendetwas anderes als Schutz gegen Schwangerschaft verwenden, weil die Chemikalie das Risiko der HIV-Verringerung erhöhen kann.

Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Also nicht das Spermizid, sondern die Aussage. Es erhöht das Risiko, dass HIV sich verringert. Risiko. Die Leute würden jubeln und nur noch spermizide Kondome kaufen, wenn das so wäre (Gibt ja nicht mehr viele, Amazon hat beispielsweise nur noch diese).

Ceterum censeo:

Es ist auch wichtig, Kondome richtig zu setzen, je nach den Anweisungen, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen, welche Studien von 85 bis 98 Prozent, je nach Marke und wenn sie richtig verwendet werden.

Da verließen sie ihn dann wohl.

„Erster!“, ruft der Letzte

Und wieder hat einer den Schuss nicht gehört. Denn, man höre und staune, es gibt nun

Johoho, und ’ne Buddel voll Rum. Mehr als ein Jahrzehnt gibt es hierzulande schon vegane Kondome (ja, auch in Österreich, lieber „Journalist“ Manfred Sax vom Wiener) – was natürlich niemanden daran hindert, das Gegenteil zu behaupten. Zumindest in der Überschrift (im Artikel ist vom „ersten“ veganen Kondom keine Rede mehr), was das ganze dann natürlich – wie erwartet – zu einem lahmen Clickbait abqualifiziert, denn eigentlich ist so ein einzelnes, einfaches, simples Kondom nun wirklich keine Nachricht wert.
Es geht um HANX (Produktmerkmale: „100% natural, Fair trade, Vegan-friendly, Clean scented, Ultra-thin, transparent, smooth, contoured, lubricated and 52 mm Nominal Width“), ein simples Kondom in einer Dreierpackung, aber „the world’s only luxurious condom designed by women for women […] designed to empower women […] condoms that women are proud to be seen with and carry.“

Man kanns auch übertreiben.

Wer hat’s erfunden?

Diesmal waren es nicht die Schweizer, denn es geht ja auch nicht um Hustenbonbons, sondern um Kondome. Ganz spezielle Kondome, nämlich maßgeschneiderte Kondome für den Mann, die (zumindest für die „Journalisten“ von Mann.TV) eine „Sex-Revolution“ sind und erst „kürzlich von der amerikanischen „Food and Drug Administration“ (FDA) offiziell grünes Licht“ erhielten.
Im Prinzip ist das ja schon richtig, würde der Sender Jerewan melden, aber das grüne Licht, das die Redaktion hier sieht, ist eher das am Ende des Tunnels, denn die kürzliche Freigabe betraf nur einige Randgrößen, die bis vor einigen Jahren in den USA (im Gegensatz zu Europa) offiziell nicht angeboten werden durften; hier hat die FDA also nur nachgebessert.

Ein U.S.-Hersteller nahm sich dieses Problems an und entwickelte eine Lösung

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber es war nicht der, den Ihr meint, sondern ein Amerikaner namens Frank Sadlo, der vor mehr als 10 Jahren die erste Serie dieser Maßkondome patentieren ließ und mit der Vermarktung begann. Aber „Amerika“ stimmt wenigstens schon mal 🙂

Für den europäischen Raum wird über die Tocherfirma (sic!) „They Fit“ aber auch eine Vorlage mit deutscher Anleitung angeboten

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber TheyFit ist keine Tochterfirma von One, sondern die Marke, unter das Produkt ursprünglich vertrieben wurde, und zwar von der (mittlerweile nicht mehr existierenden) US-Firma gleichen Namens, die auch tatsächlich eine Tochterfirma hatte (die auch nicht mehr aktiv ist), aber nur in und für Großbritannien.

die Herstellerfirma „One Condoms“

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber One Condoms ist eben keine Firma, sondern „nur“ eine Marke, die der Firma Global Protection Corp. in Boston (Ma.) gehört, die wiederum vor nicht allzu langer Zeit vom malaysischen Kondomproduzenten Karex aufgekauft wurde (der der eigentliche Produzent der TheyFit- bzw. MyOne-Kondome war und ist).

…ermittelt ihr eure individuelle Größe anhand einer Codierung, welche nur die Herstellerfirma […] entschlüsseln kann.

Im Prinzip ja, aber für ganz so doof sollte man die Kunden dann doch nicht halten. Erstens kann man leicht nachmessen, zweitens sind die Angaben zur nominalen Breite ohnehin Pflichtangaben und stehen auf jeder Packung. Außerdem sind sie beim deutschen Alleinvertrieb für TheyFit/Mysize (bei dem es sich nicht um eine „Tochterfirma“ von irgendwem handelt) bei jedem Produkt nachzulesen. Die scheinbar wahllosen Größenangaben sind Marketing, nichts weiter, auch wenn sie psychologisch manchem entgegenkommen und sich leichter merken lassen.

Die Idee des eingangs erwähnten Kondom-Herstellers

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber es ist eben, wie gesagt, nicht seine, sondern nur eine zugekaufte. Der Erfinder ist seit Jahren von der Bildfläche verschwunden, aber der von ihm mit Freunden seit 2007 (mit Untebrechungen) aufgebaute Europa-Vertrieb durch autorisierte Händler in den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Deutschland lief schon gut und erfolgreich, bevor der Auftragsfertiger anfing, mit Geld um sich zu werfen, und einige große Marken schlicht zu eigenen machte.

… für jeden Mann das passende Präservativ herzustellen. In der Praxis bedeutet dies, dass wir aus einem Portfolio aus 60 Kondomgrößen wählen…

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber erstens bleiben noch immer gut 1% der Männer ohne Maßkondom, da erstens die (hier wie auch drüben) geltenden Standards für Länge und Breite nach oben und unten begrenzt sind, so dass einige Männer auf große Fingerkondome oder (mithilfe ihrer Partnerinnen) auf Femidome angewiesen sind, zweitens nicht alle möglichen Längen-Breiten-Kombinationen abgedeckt sind (OK, bleistiftdünne speerlange Penisse sind genauso selten wie welche, die einer runtergebrannten Altarkerze ähneln, aber es gibt sie). Und drittens sind es in Europa 66 Größen, ihr habt also gleich 10% unterschlagen.

Nu ja. Aber Pressemeldungen und Werbetexte abschreiben ist ja die neue Recherchetechnik 🙂

Ein Fall für den Kondomkönig

Was will uns Google damit sagen?

Innovationen? Aber nicht doch.

Das Thema „Kondominnovationen“ ist ausgezeichnet dafür geeignet, Leute ins Rotieren zu bringen: Die einen, weil sie vor Kreativitätsschüben überhaupt nicht mehr auf dem Planeten Erde weilen, die anderen, weil sie vor lauter Argumenten dagegen überhaupt keine Luft mehr bekommen.

So liest man es heute auf der Facebook-Seite von Ritex – das ist so der richtige Troll-Post, um mich an den Rechner zu quälen und mal wieder ins Ritex-Blog zu schauen.
Der andere Robert (also Robert Richter von Ritex) hat also mal wieder kolumniert und stellt im wesentlichen fest (Achtung: Spoilerwarnung!), dass alle Kondom-Innovationen, die es „ca. seit den 1930er Jahren“ gegeben hat, eigentlich keine sind, sondern halt nur so Trallala (also „fragwürdige Neuheiten“), wohingegen die eigentlichen, wirklichen, tollen Innovationen darin bestehen, dass Ritex seine Latex-Rezeptur verfeinert (was sicher lobenswert – die Qualität der Ritex-Kondome will ja auch gar niemand in Frage stellen -, aber natürlich „für die Kondomanwender nicht unbedingt sichtbar und direkt erlebbar“ ist).
Also, alles nur Murks:

Tja, für den Kondomanwender hat sich spürbar eigentlich nicht mehr viel getan. Sicher: Es gibt Kondome in allen Farben dieser Welt […] verschiedene Oberflächenstrukturen […] spezielle Gleitmittel, denen man die eine oder andere Wirkung nachsagt. […] quasi-individuelle Größen für die Verwender […] andere Werkstoffe wie Polyurethan oder Polyisopren […] der neuartige Stoff Graphenoxid als Werkstoff für Kondome […]

Kurz gesagt: „so wenig sichtbare Innovationen“. Bei den anderen, natürlich.

Ritex dagegen… tja. Eine Innovation jagt die andere, kürzlich wurde bei allen Verpackungen beispielsweise das Design ausgewechselt und sieht nun imho endlich auch so todlangweilig aus wie viele andere (was aber Ritex nicht daran hindert, diesen „Relaunch“ groß in Szene zu setzen), außerdem gibt es „erlebbare Innovationen für unsere Verwender […], die z. B. entweder einen echten Zusatznutzen über neue Kondomformen oder Gleitmittel bieten oder die die Anwendung für die Verwender noch angenehmer und leichter gestalten.“
Äh… Moment. War das nicht gerade als eben nicht innovativ abqualifiziert worden? So als „ein paar windige[n] Marketingtricks“? Oder (in Bezug auf verschiedene Größen) als „ulkig“? Egal:

Haltet im Herbst 2017 hinsichtlich Innovationen von Ritex einfach mal die Augen auf – ich habe da so ein Gefühl, dass da etwas kommen könnte…

Ha. Na denn. Wartet mal… gerade kam ja was auf allen Kanälen: Ritex «Delay» („mit einem speziell entwickelten Doppelring ausgestattet, der für einen angenehm festen Sitz sorgt“), meint er das?
Uh. Angenehm fester Sitz. Ring. Wie i-n-n-o-v-a-t-i-v! (Für die Nicht-Kenner: Kondome, bei denen mittels unterschiedlich angeordneter künstlicher Engstellen oder „Ringe“ versucht wird, die Durchblutung des Penis zu beeinflussen und damit die Erektionsdauer zu verlängern, gibt es schon seit gefühlten Ewigkeiten. Spontan fallen mir da ein: Billy Boy «Länger Lieben», Durex «Performax Intense» bzw. «Mutual Climax», Secura «1001 Nacht»/«Goliath», das jetzt unter dem neuen Namen «El Toro» und mit einem noch grässlicheren Design vermarktet wird, Xceptionelle «Natural Retardant» und sicher noch etliche andere.)
Ich greife abschließend mal die als Überschrift der Kolumne gesetzte Frage auf und reiche sie zurück, Herr Richter:

Kondom, Kondom – wo bleibt die Innovation?

Und noch was für den Gaumen?

So. Die angeblichen Red-Bull-Kondome sind nun – genau wie die mit „Schinkenaroma“ – weg vom Fenster; die Meldung über die Kondome mit Achaari-Aroma ist schon im herbstlichen Rascheln der verdorrenden Sommerlochblätter untergegangen – also kommt nun Karex und bringt seinerseits ein neues Aroma ins Gespräch: Nasi Lemak.
Die Singapurer Straits Times vermeldet heute entsprechend:

A Malaysian condom company is hoping to spice up sex lives with a contraceptive that tastes like the country’s ultimate comfort food – nasi lemak.
Industry giant Karex […] is now set to launch a condom inspired by nasi lemak, originally a cheap breakfast consumed at streetside stalls but which is now common across the country, including at higher-end restaurants. Karex […] spent six months carrying out tests before coming up with its nasi lemak prophylactic, which smells faintly of coconut and is coated with a warming lubricant.

Also eigentlich nur eine Kombination aus Kokosaroma (gibts schon) und Warming Effect (gibts auch schon). Reiner Werbegag, kein ernsthaftes Projekt mit Marktchancen. Kein Grund also, eigentlich, für eine Meldung – vor allem da ja Karex in der Kondomwelt eigentlich nicht so als Innovator bekannt ist, sondern eher als Raubfisch, der versucht, sich alles erfolgversprechende einzuverleiben und damit genau so oft baden geht, wenn nämlich die eigentlich innovativen und einzigartigen Produkte der aufgekauften Marken dann wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit entsorgt werden (so kürzlich bei der zusammen mit dem Herstellerbetrieb Medical-Latex aufgekauften Marke ESP, wo die interessanteren Sorten, wie z.B. die Minibar-Mischung, nun eben deswegen nicht mehr produziert werden). Innovative Aromen sind also eher nicht so die Stärken der Firma. Auch mit den groß gehypten Kondomen mit Durian-Aroma ist Karex ja schon letztes Jahr baden gegangen :-/

N.B. Die in der deutschsprachigen Variante der entsprechenden Agentur-Meldung verbeitete Behauptung, lieber Kurier.at und andere, Karex stelle „jährlich rund fünf Milliarden Kondome unter dem Markennamen Carex her“, ist schlicht falsch. 5 Milliarden Kondome insgesamt mag stimmen, aber die optisch recht bieder daherkommende Eigenmarke Carex fristet eher ein bescheides Dasein und ist beispielsweise in ganz Europa nirgends zu bekommen. Die Stärken von Karex liegen eigentlich in der Auftragsfertigung und Massenproduktion (und seit ein, zwei Jahren in der Einverleibung ehemals eigenständiger internationaler Marken wie ONE, Pasante, TheyFit, ESP – wobei nocht nicht sicher ist, ob das den Marken letzlich mehr nutzt oder vielleicht sogar schadet).