SL, UT: Garys Verklemmtheit in Salt Lake City, Utah

SL, UT ist die (aus postalischen Kreisen bekannte) Abkürzung für Salt Lake City, Hauptstadt und Beamtenhochburg des US-Bundesstaates Utah, der bisher eher wegen der dort zuhauf anzutreffenden Mormonen als wegen seines verklemmten (hatte ich nicht gerade gestern was über Verklemmungen? Was für ein Zufall…) Gouverneurs bekannt ist. Sonst nichts. Wer da etwas anderes hineininterpretiert, gilt (jedenfalls unter Mormonen) wohl schon als schwerer Fall…
HIVandMe.comEgal. Wie jedenfalls der SPIEGEL unter Berufung auf CNN meldet (und letztere haben es vom Lokalsender KSTU, der sich aber aus Deutschland nicht so ohne weiteres aufrufen lässt), hat sich ebenjener Gouverneur, ein Herr namens Gary Herbert, selbst (natürlich) Mormone und Republikaner, von der witzigen Idee, Menschen mithilfe manchmal zweideutiger Beschriftungen (siehe Bild; Link führt zur Bildquelle CNN) auf die Vorteile von Kondomen und deren Beitrag zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung von AIDS (etc.) hinzuweisen, seine eigenen Bürokraten, die zu selbigem Behufe eine (zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrags seltsamerweise nicht erreichbare) Website eingerichtet hatten, um die Vermeidung derartiger Anspielungen „gebeten“, mit der aus straff regierten Ländern bekannten Folge…

The Department of Health apologized and said that the designs did not go through necessary approval channels and that they have asked their partners to stop distributing immediately.

… dass sich das in dieser Kampagne federführende Gesundheitsminiterium wortreich beim Chef entschuldigt, die Verteilung des anstößigen Materials unverzüglich einstellen lässt und die zuständigen Mitarbeiter hingerichtet und ihre Familien verstoßen werden.
Und wenn Ihr jetzt denkt, jetzt sind da 100.000* Kondome für’n Arsch – dann hütet Euch, sowas auszusprechen (jedenfalls in Salt Lake City), denn das sind sie eben nicht mehr, verstanden!

*Klingt viel, ist es aber nicht wirklich. 100.000 Kondome passen, gut verpackt und gesichert, und ohne die Werbeverpackungen außenherum gerechnet, auf eine einzige Industriepalette.

Noch mehr Eiferer

Hatte ich sowas nicht gerade? Gutmenschen mit Missionierungsdrang? Wir haben sowas hier auch:

Die Deutsche Aidshilfe in Berlin begibt sich unter die Graffiti-Sprayer – für einen lobenswerten Zweck. Man will aufklären: Sex-Arbeiterinnen wie Freier. Mehr Fairness und Sicherheit auf beiden Seiten wird angemahnt. Und dazu werden Warnhinweise wie „Kondome schützen“ auf die Straße gesprüht, etwa im berüchtigten Rotlichtviertel in der Kurfürstenstraße.

So beschreibt Nobel & Frei die Aktion. Ja nee, ist gut. Eher & allerdings:

Es bestehen Zweifel, dass die gutgemeinte Aktion etwas bringt. Wahrscheinlich erreicht sie ohnehin nur die, die klar bei Verstand sind.

Yep. Wie sagt der Amerikaner dazu? „Preaching to the converted“. So schön einfach. Man tut „Gutes“ und redet drüber, und die Welt ist so, wie man sie gerne hätte. Ob so eine Aktion Sinn macht oder nicht, ist irgendwie nicht so wichtig. Konkret stellt sich die Aidshilfe Berlin hier auf die Seite der Hardliner (ich erinnere nur an das jetzt kommende Prostituierten“schutz“gesetz mit seinem Kondomzwang) – für eine Einrichtung, die eigentlich als Hilfs- und Anlaufstelle für Leute, von denen viele mit dem Mainstream nicht gerade auf gutem Fuße stehen, gedacht ist, macht sich eine solche Politisierung mithilfe der Moralkeule sicher nicht gut.

Rotlicht-Mafiosi denken an alles, nur nicht an das Wohlergehen von Sexarbeiterinnen.

Nur Schwarz-Weiß-Denker aber auch nicht. Mit Sexarbeiter(inne)n oder Freiern zu reden, könnte ja das eigene Weltbild durcheinanderbringen. Wer sich in dem Milieu auch nur ein wenig auskennt oder sich damit beschäftigt, weiß, wie kompliziert und vielschichtig es ist; eine Reduzierung auf böse Rotlicht-Mafiosi, brutal-geile Freier und arme, zu rettende Prinzessinnenmenschengehandelte Zwangsprostituierte ist genauso hilfreich wie ein Kondomzwang per Gesetz.

„sicher… sexy… vögeln…“

Ja, das reicht schon für einen Preis. Zumindest, wenn man Schülerin ist und eine der 270 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Schleswig-Holsteinischen Kondomwettbewerbs 2013:

Foto: hjrMit dem Schriftzug „sicher… sexy… vögeln…“ gestaltete die Preisträgerin von der Nordseeschule in St.Peter-Ording die Vorderseite der Verpackung. Auf die Innenseite des kleinen Kartons hat die Schülerin des 9. Jahrgangs der gymnasialen Oberstufe lächelnde Samenzellen gezeichnet und diese mit dem Slogan „everytime much fun everywhere“ ergänzt. Die Schülerin durfte sich neben dem ersten Preis auch über einen Teddy der Aids-Hilfe Sylt „aktHiv“ für Nordfriesland und 150 Euro Preisgeld freuen.

So stand es am Mittwoch in den Husumer Nachrichten. Ob das (siehe nebenstehende Abbildung; Fotoausschnitt © hjr) nun tatsächlich, wie das Blatt schreibt, eine Packung „mit «krassem» Outfit [ist], die Jugendliche anspricht und im Fall der Fälle zum Benutzen von Kondomen veranlasst“, sei dahingestellt – die Idee, einen solchen Wettbewerb zu veranstalten und dann auch noch 10.000 Exemplare druckten zu lassen und zu verteilen, ist allemal gut – und schafft Problembewusstsein.
Auch dieses Jahr findet der Schleswig-Holsteinische Kondomwettbewerbs wieder statt. Also los!

Zukünftig wieder mehr Kondome aus US-Hilfsquellen?

Einen großen Erfolg können diverse amerikanische Hilfsorganisationen jetzt verzeichnen – letzte Woche hat das oberste US-Gericht entschieden, dass die Regierung den NROs nicht ihre Klappe verbieten darf. Geschützt durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit sei auch – beispielsweise – die Forderung nach Legalisierung von Prostitution:

Der Supreme Court stellte nun klar, dass die Regierung zwar nicht gezwungen sei, einer Organisation Gelder anzubieten, und durchaus Richtlinien zur Verwendungen von Geldern aufstellen dürfe. Diese Richtlinien dürften aber nicht das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Meinungsfreiheit einschränken, indem sie die Empfänger zur Übernahme einer Regierungsmeinung verpflichten.

… meldete die Deutsche AIDS-Hilfe letzten Freitag. Denn:

Die Bestimmungen wurden häufig so ausgelegt, dass auch die Verteilung von Kondomen oder andere Präventions- und Beratungsangebote für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter ausgeschlossen waren – wie die öffentliche Unterstützung für ihren Kampf um Menschenrechte und gesellschaftliche Anerkennung.

Es steht also zu hoffen, dass sich die Lage in dieser Beziehung nun wieder ein wenig entspannen kann.

Hamburg schon wieder: jetzt sogar eigene Kondome…

HH-Kondom-LogoIn Hamburg ticken ja manche Uhren anders als im Rest des Nordens, Deutschlands oder der Welt. Hamburger finden das in der Regel ganz normal, andere manchmal eher weniger. Dass die Hamburger eine eigene Bulette (eben den „Hamburger“) und eine eigene Rechtsprechung haben, ist ja hinlänglich bekannt – jetzt bekommen sie auch eigene Kondome, wie Schwulissimo meldet:

Nach dem großen Vorbild, dem seit 2007 mit einer monatlichen Auflage von 1,5 Millionen Stück verteilten New York City Kondom, gibt es seit Anfang Mai nun auch das hanseatische Pendant, das Hamburg Kondom. (…) Bis zum Welt-AIDS-Tag Anfang Dezember sollen die unterschiedlichsten Events der Stadt dazu genutzt werden, die Hamburg Kondome zu verteilen und unter das Volk zu bringen.

Mehr Details gibts auf der eigens dazu eingerichteten Website www.Hamburg-Kondom.de und natürlich auf Facebook. Was ich aber bis jetzt nicht finden konnte, sind Infos über das Kondom selbst – Länge, Breite, Dicke, Spezialausstattung, Hersteller … alles geheim?

Update, 08:31 Uhr: Ein Kollege macht mich gerade darauf aufmerksam, dass ich wohl zu sehr unter Verschwörungswahn neige, von wegen „alles geheim“ und so. Man kann auf der Hamburg-Kondom-Website den Produktflyer downloaden, und da steht’s drauf: Das Hamburg-Kondom ist AMOR nature. Glatt, zylindrisch, Standard ohne Extras. Danke, DD.

30 Kondome geklaut!

Wenn man manche Meldungen so liest, könnte man denken, eine Kondomklaumafia verbreitet im Osten Deutschlands auf nächtlichen Raubzügen Angst und Schrecken. Gut: „Diebe haben im Büro der Aids-Hilfe Westsachsen an der Hauptstraße in Zwickau eine Großpackung Kondome gestohlen“ mag ja durchaus eine Meldung wert sein, aber wenn der nächste Satz mit „Die 30 Präservative…“ anfängt, kommt man schon ins Grübeln (Freie Presse). Immerhin ist es mit einem Dreizeiler getan – aber schon die Sächsische Zeitung (wenn auch von der Chemnitzer Morgenpost übernommen) betitelt diesen kleinen Diebstahl „Unbekannte drangen gewaltsam durch den Vordereingang der Beratung, raubten dutzendweise Kondome“.

Die Sex-Diebe durchsuchten die Büros, fanden eine herzförmige Schachtel mit Dutzenden Kondomen und flüchteten.
Aidsberaterin Edda Weiß (58) ist fassungslos.

Abgesehen davon, dass ich nun wirklich nicht weiß, was man sich unter „Sex-Dieben“ vorstellen soll, ist es natürlich erfreulich, dass es in Sachsen anscheinend so wenig ernsthafte Kriminalität gibt, dass schon der Diebstahl der „Großpackung“ mit „dutzendweise“ Kondomen (genau: 2,5 Dutzend) einen ganzen Artikel mit allem Drum und Dran, inklusive „Opferfoto“ im besten BILD-Stil, wert ist.
Davon abgesehen hätten diese Schwerverbrecher genau diese Kondome bei jeder gut ausgestatten AIDS-Beratungsstelle garantiert auch legal und gratis bekommen können. Mit dem Intelligenzgrad der Kondomklaumafia scheint als also auch nicht weit her zu sein; es besteht also durchaus Hoffnung, dass nach ein, zwei Großeinsätzen des SEK die Diebesbande dingfest gemacht werden und der organisierten Sex-Kriminalität in Sachsen ein schwerer Schlag versetzt werden kann.

HIV-Medikamente schützen genauso zuverlässig vor der HIV-Übertragung wie Kondome

Gut wirksame HIV-Medikamente schützen zudem genauso zuverlässig vor der HIV-Übertragung wie Kondome.

…wird die Deutsche Aids-Hilfe in einem Artikel auf Scharf-Links.de zitiert. Ich weiß nicht, wer hier den Fehler eingebaut hat – aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es die Aktivisten der Deutschen AIDS-Hilfe in Kamen (Kreis Unna) waren, die das wörtlich so formuliert haben.
HIV-Medikamente beeinflussen den Krankheitsverlauf, aber sie sind kein Verhütungsmittel.
Vielleicht war es ja doch eher der Journalist von Scharf-Links.de? Immerhin bezeichnet sich das Onlinemagazin (unter anderem) selbst als „gegen-informativ“; im Zusammenhang mit nebenstehendem Karl-Marx-Zitat (ebenfalls hier zu finden) passt das dann schon…

Die Zukunft der Aidshilfe-Arbeit und der HIV- Prävention in Deutschland ist das Hauptthema der diesjährigen Mitgliederversammlung der Deutschen AIDS-Hilfe am kommenden Wochenende, Samstag, 13.10. bis Sonntag, 14.10.2012.

Was Durex kann, kann Lübeck schon lange

Vor ein paar Tagen erwähnte ich den Durex-Design-Wettbewerb – heute stolperte ich über eine Meldung auf HL-Live.de mit dem Titel „Lübeck safer: Kreativwettbewerb der AIDS-Hilfe“:

Nach dem großen Erfolg des Kreativ-Wettbewerbs anlässlich des 25-jährigen Bestehens unseres Vereins im letzten Jahr, lobt die Lübecker AIDS-Hilfe e.V. (LAH) erneut einen Kreativ-Wettbewerb aus für junge Menschen von 14 bis 25 Jahre aus. Das Motto dieses Wettbewerbs lautet „Lübeck safer – aber sicher!“
Jugendliche und junge Erwachsene sind aufgerufen, die zukünftigen Kondom-Umverpackungen der AIDS-Hilfe zu gestalten. „Ob gemalt, gezeichnet, fotografiert, in einer Collage oder am Computer entworfen – wir wollen der Kreativität der jungen Menschen keine Grenzen setzen“, so Antonia Mansson vom Vorstand der LAH.

Auf den Seiten der Lübecker AIDS-Hilfe gibts den aktuellen Flyer zum Wettbewerb zum Download mit allen wichtigen Informationen zum Mitmachen. Die von der Jury gekürten sechs Siegermotive sollen dann als Kondom-Umverpackung gedruckt und bei Präventionsveranstaltungen in Schulen und anderen Einrichtungen kostenfrei verteilt werden. Der Abgabeschluss für die Ideen und Entwürfe ist übrigens ist der 25. Juni 2012.

Bremen killt Anti-AIDS-Projekt

Wie der Weser-Kurier bereits am Donnerstag meldete, stellt die Stadt Bremen ihre Unterstützung für ein seit 7 Jahren erfolgreiches und bundesweit anerkanntes AIDShilfeprojekt ein.

Fachliche Anerkennung schützt nicht vor einem plötzlichen Ende. Das gilt für das Afrika-Projekt zur Prävention von HIV und Aids des Gesundheitsamts: Nach sieben Jahren überaus erfolgreicher Arbeit ist das Projekt Ende 2011 beendet worden. Der Grund: Bremen hat kein Geld, um den afrikanischen Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, bestätigt Michael Huesmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde.
Nach Informationen unserer Zeitung ging es für 2012 um 45000 Euro für eine 30-Stunden-Stelle. Die Deutsche Aids-Stiftung hätte dem Vernehmen nach 15000 Euro übernommen, also hätte sich die Stadt mit 30000 Euro beteiligen müssen.

Kann ich schon verstehen. Bringt ja auch kein Geld, sowas. Man sollte solcherart eingesparte Mittel vielmehr nutzen, um dem Bürgermeister einen neuen Dienstwagen zu spendieren – oder andere, wichtige Projekte zu kofinanzieren. Mehr Geld für die Abgeordneten, beispielsweise. Da sind dann bestimmt alle dafür. Zum Vergleich: Die für Bremen geplanten Ausgaben 2012 betragen nach Angaben der Senatorin für Finanzen laut Haushaltsplanung 4,3767 Milliarden Euro. Klar, dass da 30.000 Euro den Finanzrahmen sprengen. Wo doch die Stadt auch im Jahr 2011 nur 13% Einnahmezuwachs gegenüber 2010 zu verzeichnen hatte.
Im Übrigen: Wer will schon ungebildeten Zuwanderern aus subsaharischen Gefilden wertvolle finanzielle Ressourcen überlassen. Die haben ihr AIDS von zuhause mitgebracht, also sollen sie’s auch wieder dahin zurücktragen und nicht die brave Bremer Bürgerschaft mit ihren Wehwehchen belasten. Nicht wahr.

Golden Gay Condom

AIDS-Hilfe WiesbadenDas Golden Gay Condom ist mitnichten ein goldenes Kondom für Schwule (obgleich es sicher schön wäre, gäbe es ein solches), sondern eine Auszeichnung, und zwar von DU&ICH („Deutschlands schwules Magazin“):

DU&ICH hat zum ersten Mal einen Award für Aidshilfen gestiftet – das GOLDEN GAY CONDOM. Zur Premiere haben wir den Preis, der künftig jährlich vergeben werden soll, für die beste schwule Gesundheits­kampagne ausgelobt. Kampagnen- bzw. Anzeigenmotive von 15 regionalen Gesundheitsteams nahmen teil.
Die Aidshilfe Wiesbaden konnte mit der Safer-Sex-Kam­pagne MIA – MEN IN ACTION die Abstimmung, an der sich über 5.000 User von du-und-ich.net beteiligten, mit 739 Stimmen für sich entscheiden. Auf Platz 2 und 3 folgen die Präventionskampagnen GENTLE MEN der Aidshilfe Baden-Württemberg mit 653 und PAUL & ETIENNE der Kölner Aidshilfe mit 552 Stimmen.

Mehr zum Award und natürlich zu den Gewinnern wird es in der nächsten Ausgabe von DU&ICH geben, die am 30. März erscheinen soll.