Zwei Drittel aller New Yorker benutzen keine Kondome

Tja, offenbar haben es die New Yorker nicht so mit Sicherheit im Verkehr – auch wenn sie es doch besser wissen sollten.

Only one in three adults in the city used a condom the last time they had sex — or just 31.8 percent of the more than 4 million sexually active New Yorkers, a city Health Department poll has found.

So berichtet es die New York Post diese Woche. Und all das trotz massiver Kampagnen und millionenteurer Werbung. Und nun?

(Selbst die Kanadier sind besser. Bei kanadischen Studenten ist es immerhin nur die Hälfte.)

Hollywood-Pornos: Umweg über Florida

Dass es in Kalifornien mittlerweile verboten ist, Pornos zu drehen, in denen die Darsteller kondomfrei agieren, ist ja bekannt. Dass das den Herstellerfirmen nicht so ganz schmeckt, auch. Was ist also die logische Folge? Der Dreh der einschlägigen Szenen wird einfach autgesourced – ein in der Wirtschaft ganz normaler Vorgang (und dass sich da keiner Illusionen macht: Porno ist genau das, Wirtschaft und Industrie, nicht etwa Kunst oder Kultur. Nur um das mal gesagt zu haben.), der natürlich jetzt seitens der kalifornischen Aktivisten mit einem Sturm der Entrüstung beantwortet wird.
So weiß die Nachrctenagentur AP zu berichten:

A health organization that successfully pushed for a Los Angeles County law mandating condom use in the adult film industry has filed a complaint about a porn movie made in Florida after it says filmmakers started shifting production to other states to avoid the law. The California-based organization, AIDS Healthcare Foundation, formally requested an investigation in an Aug. 16 letter to Florida’s Department of Health. The complaint claims that a Florida production took health risks by making pornography without condoms.

Und das in einem Land, das das Outsourcing eigentlich erst erfunden hat… Aber DAMIT konnte ja NIEMAND rechnen!

Nevada verbietet Fortpflanzung

… könnte man meinen, wenn man so auf der Spur angeblich „skurriler Sex-Gesetze“ das Internet durchstreift.

Im US-Bundesstaat Nevada ist Sex nur erlaubt, wenn dabei ein Kondom benutzt wird. Da bleibt den Einwohnern von Nevada wohl nichts anderes übrig, als den Staat zu verlassen, wenn sie sich nach einem gemeinsamen Kind sehnen. Denn das Zeugen von Kindern dürfte problematisch werden, wenn Sex ohne Kondom illegal ist.

Ja, liebe Qualitätsjournalisten von MSN, nicht alles, was im Internet steht, ist wahr – und wird durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer. Völlig egal, dass auch nur ein kleines Restchen gesunden Menschenverstandes (sofern vorhanden) hier hätte „hoppla!“ rufen müssen – oder dass man als Journalist mal sowas wie eine „Quelle“ (ja, Fremdwort, ich weiß, googelt selbst, wenn Ihr nicht wisst, was das ist) suchen hätte können für so eine Behauptung… Blöd nur, dass man dann darauf gestoßen wäre, dass diese Vorschrift (die es tatsächlich gibt) lediglich für Prostituierte (und auch nur bei der Ausübung ihres Berufes; auch die haben kein Fortpflanzungsverbot!) gilt…
Eine sehr gute Zusammenfassung zur Situation der Prostitution in Nevada (das ist da, wo auch Las Vegas ist. Nur zur Info.) gibt die englischsprachige Wikipedia – die hätte auch ein Journalist in 5 Minuten finden können.

USA: Heute ist „National HIV Testing Day“

Ja, so etwas gibt es tatsächlich – einen „National HIV Testing Day“ in den USA. Und selbstverständlich sind die großen Kondomhersteller an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, hier Aufklärungsarbeit zu leisten; so hat beispielsweise LifeStyles eine Social Media Kampagne unter dem Hashtag #Knowyourstatus ins Leben gerufen, denn:

„Nearly 1.2 million people are living with HIV and almost one in five don’t know they are infected,“ said Carol Carrozza, Vice President Sales & Marketing North America for Ansell Healthcare, the makers of LifeStyles Condoms. „Through this campaign, we hope to raise awareness surrounding the importance of knowing your status by partnering with an organization that shares our dedication to HIV education and prevention.“

Zukünftig wieder mehr Kondome aus US-Hilfsquellen?

Einen großen Erfolg können diverse amerikanische Hilfsorganisationen jetzt verzeichnen – letzte Woche hat das oberste US-Gericht entschieden, dass die Regierung den NROs nicht ihre Klappe verbieten darf. Geschützt durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit sei auch – beispielsweise – die Forderung nach Legalisierung von Prostitution:

Der Supreme Court stellte nun klar, dass die Regierung zwar nicht gezwungen sei, einer Organisation Gelder anzubieten, und durchaus Richtlinien zur Verwendungen von Geldern aufstellen dürfe. Diese Richtlinien dürften aber nicht das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Meinungsfreiheit einschränken, indem sie die Empfänger zur Übernahme einer Regierungsmeinung verpflichten.

… meldete die Deutsche AIDS-Hilfe letzten Freitag. Denn:

Die Bestimmungen wurden häufig so ausgelegt, dass auch die Verteilung von Kondomen oder andere Präventions- und Beratungsangebote für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter ausgeschlossen waren – wie die öffentliche Unterstützung für ihren Kampf um Menschenrechte und gesellschaftliche Anerkennung.

Es steht also zu hoffen, dass sich die Lage in dieser Beziehung nun wieder ein wenig entspannen kann.

Boston: jetzt Kondome an allen Highschools

Wie Boston.com am Mittwoch berichtete, sind nun – nach langen Jahren des Hin und Her – an allen Bostoner Highschools Kondome erhältlich.

The Boston School Committee approved two significant policy changes Wednesday night, one of which will make condoms available in all high schools across the city and the other will beef up employee background checks. The approval of condom distribution — a key feature in a new comprehensive health and wellness policy — marks a dramatic shift in practice for the city’s public schools system. Previously, only a limited number of high schools that have health centers could hand out condoms. Now, students will be able to receive them at any of the approximately three dozen high schools either from a community health service partner, the Boston Public Health Commission, or from appropriate school staff.

Trotzdem: einfach hingehen und mitnehmen ist nicht – eine Beratung über Safer Sex ist zwingend vorgeschrieben, was ich auch durchaus für angebracht halte. Allerdings gibt es auch einen Nachteil: Eltern können bestimmen, dass ihre Kinder keine Kondome ausgehändigt bekommen sollen. Da kann man nichts dagegen machen, minderjährig ist minderjährig – aber ich hoffe mal, dass die Freunde und Freundinnen dieser Jugendlichen dann auch mal auf die Schnelle aushelfen können 🙂

Kein Beweismittel mehr

Wie letzte Woche aus New York zu hören war, sollen unbenutzte Kondome, die Menschen bei sich führen, dort nicht mehr als Beweismittel dafür verwendet werden, dass ebenjene Menschen Prostituierte sind.

They would no longer consider unused condoms seized from suspected prostitutes and sex traffickers as evidence. […] Although carrying condoms is legal in New York, police have treated them as evidence of probable cause when making arrests in prostitution cases.

… meldet Reuters via Yahoo!news. Den letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. „Obwohl es in New York legal ist, Kondome mit sich zu führen…“ Das klingt doch schon sehr verrucht. Ist doch klar – wer schon Kondome dabei hat, MUSS ja Sexarbeiter sein. Gute, aufrichtige, patriotische Amerikaner tun so etwas nicht. No Sir.
Pikanterweise ist der Artikel mit einer Grabbelschüssel kostenloser Kondome illustriert, wie sie in AIDS-Beratungsstellen in New York zu erhalten sind. Mutig, mutig. Kondome sind zwar legal, aber….

Awesome: Kondome mit Relief am Schaft!

Schaut Euch mal diese Dinger hier an – so etwas hatten wir bisher noch nicht: Kondome, die mehr „drauf“ haben als nur Rippen und/oder Noppen (gähn!). Unter dem Label „One“ gibt es in den Staaten jetzt die „One Tantric Pleasure“-Kondome mit drei verschiedenen eingeprägten Mustern.

Tantric Pleasure Condoms are designed for the ultimate mind-body experience to gently enhance sensation. Lightly ribbed with exotic designs and featuring easy-roll shape. Tantric includes a little extra breathing room at the base and tip for increased comfort. The box includes three tattoo inspired designs: Maori, Tribal and Titan.

Gleich mit tantrischen Vergnügungen zu wedeln scheint mir zwar ein klein wenig übertrieben, aber zumindest ist das mal was anderes als die Standardrippen, die bei kaum jemandem noch extatische Gefühle auslösen können.
Schönen Montag!

Volksabstimmung

m Los Angeles County steht ein ganz besonderes Volksbegehren an: Dort entscheiden die Bürger mit Measure B, ob beim Pornofilmdreh zukünftig eine Kondompflicht herrschen soll, die vom örtlichen Gesundheitsamt überprüft wird. Initiiert wurde dieses Volksbegehren von der AIDS Healthcare Foundation (AHF), die unter anderem dem Pornostar Aurora Snow für eine Annahme wirbt.

… war gestern auf Telepolis zu lesen. Das muss man sich doch mal auf der Zunge zergehen lassen. Volksbegehren… – der Konsum von Pornos scheint ja nun auch offiziell im Mainstream angekommen zu sein. Und das ausgerechnet in dem Land, das die öffentliche und unbedeckte Abbildung jeder Form primärer oder sekundärer Geschlechtsmerkmale immer noch für die größte Sünde seit Adam und Eva hält. Schizophrener geht’s nimmer. Wäre dieses Land eine Einzelperson, wäre es schon längst in der Geschlossenen gelandet.

Facebook als Verhütungsmittel?

Im American Journal of Preventive Medicine erscheint in der Ausgabe November 2012, Vol. 43, No. 5 ein Aufsatz, der sich unter dem Titel Social Media–Delivered Sexual Health Intervention mit der Frage beschäftigt, ob Jugendliche, die täglich mit Verhütungsbotschaften, Kondomwerbung usw. per Facebook zugetextet werden, häufiger Kondome benutzen als Jugendliche, die nicht ständig daran erinnert werden. Das Resultat:

Soziale Netzwerke können beim Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten helfen. (…) Die Gruppe, die regelmäßig Aufklärungsartikel zugeschickt bekam, verwendete anschließend häufiger Kondome als die andere Gruppe. (Spickmich.de)

Im Abstract des Artikels liest sich das allerdings so:

A total of 1578 participants enrolled, with 14% Latino and 35% African-American; 75% of participants completed at least one study follow-up. Time by treatment effects were observed at 2 months for condom use (intervention 68% vs control 56%, p0.04) and proportion of sex acts protected by condoms (intervention 63% vs control 57%, p0.03) where intervention participation reduced the tendency for condom use to decrease over time. No effects were seen at 6 months.
Conclusions: Social networking sites may be venues for effıcacious health education interventions. More work is needed to understand what elements of social media are compelling, how network membership influences effects, and whether linking social media to clinical and social services can be benefıcial.

Ich denke mal, die meisten Teilnehmer reagierten nach einer gewissen Zeit ziemlich genervt 🙂 so dass der gut gemeinte Sinn der Aktion wahrscheinlich eher verpufft, als dass er Wirkung zeigt.