Kondompflicht für Prostituierte rechtens?

Klage gegen Kondompflicht“ titelte Achgut.com vorgestern mit Bezug auf diesen Artikel in der Frankfurter Rundschau, auch wenn das Thema Kondompflicht nun nicht gerade das zentrale Thema der von Verfassungsrechtler Meinhard Starostik unterstützten Klage von Dona Carmen vor dem Verfassungsgericht ist (macht sich aber als Titel zugegebenermaßen ganz gut).

Starostik hält das Gesetz in drei Punkten für anfechtbar. Bei der Anmelde- und Beratungspflicht hält er die enge Überwachung nicht für gerechtfertigt. „Der Gesetzgeber scheint davon auszugehen, dass alle Prostituierten bescholten sind“, vermutet der Richter. In der Kondompflicht sieht Starostik einen unzulässigen Eingriff in den intimen Persönlichkeitsbereich. Noch deutlicher wird der Jurist bei der Kontrollpflicht, die den Betreibern von Bordellen und Vermietern von Stundenzimmern auferlegt wurde. „Das ist schon irre und unzumutbar.“ (Achgut)

Aaalso… natürlich finde ich „mit“ immer besser als „ohne“, zumindest im professionellen Bereich (ins Private will mich nicht einmischen), aber Zwangsmaßnahmen lehne ich grundsätzlich ab. Selbstverständlich sollte jede/r Sexarbeiter/in Kondome dabei haben und diese auch anbieten (schon aus Selbstschutz-Interesse), aber daraus einen strafbewerten Zwang zu machen, halte ich für kontraproduktiv – denn es wird den Akt „ohne“ nur ins Illegale abdrängen und damit begehrtenswerter (und auch teurer) machen; dem Anspruch, Prostituierte damit, wie der Gesetzestitel suggeriert, „schützen“ zu wollen, kann so eine Regelung nicht gerecht werden. Der Nanny-Staat ist wieder einmal am Durchregieren – zunehmende Inkompetenz bei den Kernaufgaben wird mehr und mehr durch ungezügelte Regelungswut in Bereichen ersetzt, in denen er eigentlich gar nichts zu suchen hat (was man auch daran sieht, dass die Meinung der Betroffenen generell ignoriert wird).

Nevada verbietet Fortpflanzung

… könnte man meinen, wenn man so auf der Spur angeblich „skurriler Sex-Gesetze“ das Internet durchstreift.

Im US-Bundesstaat Nevada ist Sex nur erlaubt, wenn dabei ein Kondom benutzt wird. Da bleibt den Einwohnern von Nevada wohl nichts anderes übrig, als den Staat zu verlassen, wenn sie sich nach einem gemeinsamen Kind sehnen. Denn das Zeugen von Kindern dürfte problematisch werden, wenn Sex ohne Kondom illegal ist.

Ja, liebe Qualitätsjournalisten von MSN, nicht alles, was im Internet steht, ist wahr – und wird durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer. Völlig egal, dass auch nur ein kleines Restchen gesunden Menschenverstandes (sofern vorhanden) hier hätte „hoppla!“ rufen müssen – oder dass man als Journalist mal sowas wie eine „Quelle“ (ja, Fremdwort, ich weiß, googelt selbst, wenn Ihr nicht wisst, was das ist) suchen hätte können für so eine Behauptung… Blöd nur, dass man dann darauf gestoßen wäre, dass diese Vorschrift (die es tatsächlich gibt) lediglich für Prostituierte (und auch nur bei der Ausübung ihres Berufes; auch die haben kein Fortpflanzungsverbot!) gilt…
Eine sehr gute Zusammenfassung zur Situation der Prostitution in Nevada (das ist da, wo auch Las Vegas ist. Nur zur Info.) gibt die englischsprachige Wikipedia – die hätte auch ein Journalist in 5 Minuten finden können.

Kein Beweismittel mehr

Wie letzte Woche aus New York zu hören war, sollen unbenutzte Kondome, die Menschen bei sich führen, dort nicht mehr als Beweismittel dafür verwendet werden, dass ebenjene Menschen Prostituierte sind.

They would no longer consider unused condoms seized from suspected prostitutes and sex traffickers as evidence. […] Although carrying condoms is legal in New York, police have treated them as evidence of probable cause when making arrests in prostitution cases.

… meldet Reuters via Yahoo!news. Den letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. „Obwohl es in New York legal ist, Kondome mit sich zu führen…“ Das klingt doch schon sehr verrucht. Ist doch klar – wer schon Kondome dabei hat, MUSS ja Sexarbeiter sein. Gute, aufrichtige, patriotische Amerikaner tun so etwas nicht. No Sir.
Pikanterweise ist der Artikel mit einer Grabbelschüssel kostenloser Kondome illustriert, wie sie in AIDS-Beratungsstellen in New York zu erhalten sind. Mutig, mutig. Kondome sind zwar legal, aber….

Prostitution: Geht der Trend wieder weg vom Kondom?

„Jetzt neu, ohne Kondom“ titelt Saunaclubs-4you.de und schreibt:

Der Geschlechtsverkehr ohne Kondom scheint salonfähig zu werden. In den letzten Jahren bestand immer ein kleiner Markt, indem sich Mädchen für Sexdienstleistungen anboten und das komplett ohne Kondom. Dieser Markt hatte jedoch immer nur als Nische bestand und war daher übersichtlich. Durch den zunehmenden Konkurrenzdruck sind nun aber einige Hostessen im Saunaclub und Escort dazu übergegangen, ihre Dienste ebenfalls vollständig ohne Kondom anzubieten. Und das ohne Aufpreis. Damit erfolgt unter Umständen ein weiterer hoher Druck auf alle Girls, die ihr Geschäft verantwortungsvoll anbieten und auch die Kunden zu diesem Denken hinleiten.

Hier und in ähnlichen Konstellationen (denn das, was hier für Heteros berichtet wird, gilt mit Sicherheit auch in der Gay- und Underground-Szene) scheint mir eher ein möglicher Grund für einen Anstieg der HIV-Infektionen zu liegen – und weniger in der „erfolglosen“ Anti-AIDS-Kampagne der BzgA.

Der Gedanke mit einer Frau ohne Kondom zu schlafen, ist sicherlich verständlich und für jeden Mann nachvollziehbar.
Doch der Sex mit einer Prostituierten im Saunaclub ohne Kondom ist grob fahrlässig. Übrigens so fahrlässig, dass auch die Krankenkasse später bei Bekanntwerden Behandlungskosten verweigern kann.

Und die Behandlung von Tripper oder AIDS aus eigener Tasche bezahlen zu müssen, ist hart. Aber zur Entspannung kann man sich ja den neuesten Hollywood-Erziehungs-Porno anschauen. Mit Kondom, natürlich.

Ulm-Alarm: Kaum noch Kondome im horizontalen Gewerbe

Ein Artikel in der Südwestpresse beschäftigte sich gestern mit einem heiklen Thema:

Als zunehmendes Problem schilderte Mader (Kripo Ulm) jedoch den fast immer erzwungenen Verzicht auf Kondome bei weiblichen Prostituierten – belegbar bei den mehr als 100 offiziell gemeldeten Huren in Ulm. Etwa 80 Prozent der Frauen stammten aus Osteuropa, die Fluktuation sei sehr hoch. In vielen Etablissements dürften Frauen nur arbeiten, wenn sie sich bereiterklärten, ohne Kondom zu arbeiten – falls ein Freier dies fordere. 80 Prozent der Prostituierten praktizierten deshalb regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Wenn diese Zahlen repräsentiv für Deutschland sind, sieht es im Gewerbe viel schlechter aus als gemeinhin angenommen wird. Allerdings lassen von Händlern und Herstellern berichtete konstant hohe Absatzmengen bei Kondomen vermuten, dass es sich nicht um einen allgemeinen Trend handelt. Trotzdem: so wie in Ulm geht’s nicht.

Auf sowas können nur Juristen kommen

Ja, die Rechtsverdreher… manche sind ja ganz in Ordnung, aber andere haben entschieden zu viel Freizeit. In der sie dann juristischen Gedankenspielereien nachhängen können, um Fälle zu konstruieren, die es noch nie gab (und vielleicht auch nie geben wird). Und um dann mit viel Energie Lösungen für diese Fälle zu erarbeiten. Hmnja.
Beispiel gefällig? Natürlich mit Kondom:

Männer, die in ein Bordell gehen, lassen bekanntermaßen auch immer etwas von „sich“ zurück. Genauer gesagt: das benutzte Kondom bleibt zum Beispiel dort zurück. (…) Wenn eine Prostituierte natürlich schwanger werden will mit den Rückständen aus einen Kondom, es wird und dann das Kind Unterhalt vom Erzeuger haben will…

Ja, so etwas wird im Juraforum schon mal diskutiert. In der Rubrik „Erfahrungen“, übrigens…. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.
Also Vorsicht, meine Herren: Bei Bordellbesuchen bitte immer einen ZIP-Beutel mitnehmen und das gebrauchte Kondom anderswo entsorgen, wo möglichst keine samenhungrigen Räuberinnen lauern. Zu Hause, beispielsweise 🙂