Fast wieder hip(ster), diese Werbung

Zur Verhütung gibt es natürlich auch Kondome. Die wohl traditionsreichsten deutschen Kondommarken sind Fromms und Blausiegel. Und deren Werbefachleute wussten wirklich, wie man in den 80er Jahren die Jugend ansprechen kann…
Wir müssen unbedingt hipp und flott wirken! Holt sofort den Chefbuchhalter vor die Kamera!“

Knallhart, lieber Klopfer.
So mögen wir das. Und der Kerl ist auch bald wieder modern, zumindest trägt er ja schon eine trendige Hipsterbrille.
Fromms und Blausiegel gibts natürlich auch noch 🙂 wenngleich nicht mehr eigenständig, sondern nur noch als Marken der MAPA („Billy Boy“) und mit eingeschränktem Sortiment.

(Werbeanzeige aus einer BRAVO, Mitte der 80er Jahre, wer’s noch nicht erraten hat; Quelle siehe oben)

Billy Boy testet Studentinnen

Nein, nicht auf ihre Eignung als Kondombenutzerinnen – sondern auf ihre fachlichen Qualifikationen bei der Entwicklung neuer Kondomverpackungen. Die „Hannoversche Allgemeine“ berichtete gestern abend über eine entsprechende Zusammenarbeit zwischen dem Billy-Boy-Hersteller Mapa (der sinnigerweise – für den Fall, dass es mit den Billy Boy doch nicht so klappt – auch die Baby-Marke NUK und die Spontex-Reinigungsprodukte produziert) und der Fachhochschule Hannover (Fakultät II, Abteilung Lebensmittelverpackungstechnologie, Prof. Dr. Rainer Brandt):

„Im Prinzip geht es ja um die gleichen Fragen wie beispielsweise beim Verpacken von Kaffee“, erklärt der Experte. Ob Kaffee oder Kondome: Produkteigenschaften wie Haltbarkeit, Schutz vor äußeren Einflüssen, ein leichtes Öffnen der Verpackung und eine ansprechende Präsentation seien in beiden Fällen entscheidend, sagt Brandt. (…) Die für ein Kondom geforderte Haltbarkeit von bis zu fünf Jahren stellt die Lebensmitteltechnologen ebenfalls vor neue Herausforderungen: „Finden Sie mal ein Lebensmittel, das so lange zu genießen ist und nicht in einer Dose verpackt ist.“ Kondome in Dosen wären sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Na dann. Bisher zeichneten sich Billy-Boy-Kondome ja nicht gerade durch innovative Verpackungen aus – insofern ist diese Initiative durchaus zu begrüßen. Schauen wir mal, ob was dabei herauskommt…

Blausiegel wird Mapa-Edelmarke

Na ja, so stand das natürlich nicht da, aber gemeint war es wohl schon: die Ankündigung von Mapa, die Marke Blausiegel künftig apothekenexklusiv zu vertreiben, wie Apotheke AdHoc gestern meldete:

„Während unsere Wettbewerber zunehmend außerhalb der Apotheken verkaufen, setzen wir bewusst gegen den Trend“, erklärt ein Mapa-Sprecher. Angesprochen werden sollen vor allem Käufer mit gehobenen Qualitätsansprüchen. (…) Im vergangenen Jahr sind die Kondome der Marke Blausiegel bereits sukzessive aus Drogerien und Lebensmittelgeschäften verschwunden; nur Großgebinde mit 100 und 1000 Stück werden auch in Zukunft für den professionellen Bereich direkt verkauft.

Alle Blausiegel-Benutzer sollten sich also jetzt erst einmal eindecken – denn erfahrungsgemäß bedeutet „apothekenexklusiv“ erst einmal „viel teurer“. Leider verschwindet dann eine der wenigen „deutschen*“ latexfreien Kondomsorten auch aus dem freien Markt. Vielleicht will die Firma mit dieser „antizyklischen“ Aktion aber nur die Traditionsmarke Blausiegel langsam sterben lassen – denn ein Umsatzplus ist durch die massive Einschränkung der Verkaufskanäle wohl kaum zu erwarten.
* Deutsch ist hier nur der Name. Blausiegel sensitive werden (siehe mein Beitrag von vorgestern) in Malaysia gefertigt; die Firma Mapa gehört zu einem französischen Konzern, der wiederum letztes Jahr von einer US-amerikanischen Kette (Jarden) einverleibt wurde.

Können Haarstoppeln Kondome zerlöchern?

Diese interessante Frage twitterte gestern @CoripaKondome und verwies auf einen Artikel bei DerBerater.de (einem Playboy-Ableger), in welchem German Frank, Qualitätsmanager bei Mapa (Hersteller von Billy Boy, Blausiegel, Fromms), sich zu diesem Thema äußerte:

Es kommt natürlich auf die Stärke der nachwachsenden Haare an. Normalerweise passiert nichts, aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht!

Nun ja. Bis jetzt habe ich noch von niemandem gehört, der mit einem Drei-Tage-Bart in südlichen Gefilden seinem Kondom den Garaus gemacht hätte. Aber man kann ja nie vorsichtig genug sein… (ich finde „rasiert“ übrigens absolut unerotisch. Aber wer’s mag…)