Ach, immer diese Superkondome

Lnagsam wird man’s müde, immer wieder von revolutionären Superkondomen zu lesen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen sollen – ganz besonders während des kürzlichen Hypes um das Kondom der Zukunft – wobei es offensichtlich aber mehr um ein wenig PR und ein bisschen mehr Geld geht; zumindest lassen die prämierten Ideen (mehr ist es ja meistens nicht) nicht unbedingt eine praktikable Anwendbarkeit in näherer Zukunft erwarten, von einer Revolutionierung des Kondommarktes ganz zu schweigen.
Heute bin ich über einen sehr grenzwerigen Artikel gestolpert, dessen Inhalt sich zwar durch Verweis auf die offensichtliche Unkenntnis des Autors (und die Tatsache, dass er Kondome offenbar persönlich gar nicht mag) entschuldigen lässt, den ich Euch aber trotzdem nicht vorenthalten möchte. „Ein neues Wundermaterial für Kondome, Graphene, möchte […] Bill Gates […] wissenschaftlich weiter entwickeln lassen […]. Bis 2015 sollen die neuen Kondome an den Start kommen.“, schreibt der ungenannte Autor als Textanreißer unterhalb des Fotos eines leeren (!) Bettes, und führt im Folgenden aus:

Graphene […] habe nicht mehr eine solche große und unangenehme Reibung wie beispielsweise Latex Kondome oder anderweitige klassisches Gummis, die häufig einfach viel zu dick und dennoch zu instabil seien. Für viele reiben klassische Kondome beim Sexualakt zu stark und wirken sich damit abturnend aus – das Numero Eins Problem bei der Verhinderung von HIV und AIDS sowie Überbevölkerung in armen Ländern Afrikas oder Asiens.

Jojoho, und ’ne Buddel voll Rum. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und ich meine jetzt nicht die Rechtschreib- und Grammatikfehler oder die Unkenntnis der Tatsache, dass das Material auf Deutsch schlicht „Graphen“ heißt und eben nicht gerade für seine Elastizität, sondern eher für seine Festigkeit bekannt ist (wodurch es in der Tat sicher ein „Wunder-Kondom“ wäre, wenn man daraus ein solches fabrizieren könnte), sondern die Schlussfolgerung, das starke Reiben der Latex-Kondome oder „anderweitiger klassischer Gummis“ (!?) wäre für die Ausbreitung von AIDS und die Überbevölkerung die Hauptursache („Numero Eins Problem“).
Aber nicht nur das. Auch gegen Armut seien neue Kondome die Wunderwaffe schlechthin:

Dr. Papa Salif Sow, der Senior-Leiter des Teams gegen HIV in der Bill and Melinda Gates Foundation, erklärt das Projekt: „Neue bessere Kondome, welche endlich die Unannehmlichkeiten der bisherigen hinter sich lassen und damit den Verlust an Spaß unterbinden, wären eine starke Waffe auch im Kampf gegen Armut.“

Nun ja. Neue Produkte helfen sehr oft gegen die Armut – zwar nicht die der Anwender, aber doch zumindest die der Entwickler oder Produzenten. Aber egal, der Verfasser des Artikels wütet weiter:

Viele Kondome sind dermaßen stark verpackt, dass man, hat man Gleitgeld an den Fingern, die Teile selbst unter Einsatz aller Zähne immer noch nicht aus den Packungen bekommt. Das ist für viele ebenfalls ein Abturner Numero Zwei neben den sonstigen negativen Anwendungswirkungen vieler Kondome.

Auf die „sonstigen negativen Anwendungswirkungen“ von Kondomen wäre ich je gespannt gewesen, aber da kommt natürlich nix. Was der Typ sonst noch so ablässt, könnt Ihr ja auf Netz-Trends.de selbst lesen – jeden Schwachsinn hier noch zu zitieren würde mir den Tag endgültig verderben.
Ach so, Happy Nikolaus übrigens 🙂