Lesetipp: die BBC über Frauenkondome…

Da Ihr ja heute alle viel Zeit habt, weil erstens Sonntag ist und Ihr zweitens letzte Nacht nicht so lange schlafen musstest wegen der Zeitumstellung, habe ich heute mal einen längeren Artikel für Euch – nein, keine Angst, nicht von mir geschrieben, sondern nur als Leseempfehlung. Der Text ist von Emily Anthes (BBC) und beschäftigt sich mit Frauenkondomen:

Once mocked as having the erotic appeal of a jellyfish, the female condom is being reinvented as the next big thing in protective sex. In the first article from new digital publication Mosaic, Emily Anthes takes an in-depth investigation to see what chance it has of catching on this time around.

Hier gehts zum vollständigen Artikel. Viel Spaß beim Lesen. Und wem das zu lang ist: einen Artikel über diesen Artikel gibt es hier. Ist aber auch Englisch :-))

Hättet Ihr’s gewusst? Am 12.9. war Global Female Condom Day!

Global Female Condom DayIch wusste es nicht (oder wenn ich es wusste, habe ich es vergessen). Asche auf mein Haupt. Am 12. September war tatsächlich Global Female Condom Day – darauf wurde ich erst durch eine kleine Meldung in der deutschsprachigen „Zeitung für Thailand“ aufmerksam, in dem es heißt:

Pattaya. Der Bürgermeister von Pattaya hat zum ersten globalen Frauen-Kondom-Tag auf der Walking Street am Freitag kostenlose Kondome verteilen lassen. Obwohl weltweit die Veranstaltung am Mittwoch stattfand, wurde in Pattaya der Haupt Event erst am Freitag durch Bürgermeister Itipon auf der Walking Street gestartet. (…) Der Bürgermeister betonte, wie wichtig die Benutzung der Kondome sei um sich vor allen möglichen Krankheiten, die beim Sexualverkehr auftreten können, zu schützen.

Immerhin, ausgerechnet Thailand. Bei uns im ach so aufgeklärten Deutschland war davon nichts zu hören oder zu lesen, von diesem Frauenkondomtag. Gut, es ist kein offizieller Feiertag oder so, aber immerhin – ein guter Anlass wäre dieser von der National FCC Coalition ausgerufene Tage immerhin gewesen, um die Benutzung von Frauenkondomen mehr in die Öffentlichkeit zu rücken:

Global Female Condom Day aims to increase the number of women, men, transpeople, and youth who know about, use, and advocate for female condoms. HIV/AIDS, reproductive health and justice, women’s health, youth, and gay men’s health organizations and advocates from around the world are joining together September 12, 2012 for the first-ever Global Female Condom Day. Participating individuals and organizations will take action in their communities to increase awareness, access, and use of female condoms.

Online-Kondom-Training für Femidom

Die Herstellerin des Frauenkondoms „Femidom“ bzw. FC2, die Female Health Company, hat jetzt ein Online-Traningsprogramm entwickelt, welches nach Auskunft von Finanznachrichten.de (Newswire) hauptsächlich für Leute gedacht ist, die sich als Multiplikatoren des Produktes verstehen:

-The Female Health Company announced today that it has officially launched a free, interactive FC2 Online Training Program for health care providers. Since the U.S. introduction of the FC2 Female Condom® in 2009, the Company has conducted „in-person“ trainings across the country to raise awareness of the FC2 Female Condom, the only FDA approved, female-initiated method to prevent both sexually transmitted infections (including HIV/AIDS) and unintended pregnancy.

Der Zugriff auf den Online-Trainer unter fc2training.com ist gratis – allerdings ist derzeit noch alles nur auf Englisch verfügbar. Weitere Sprachen sind jedoch geplant.

Die Chinesen kommen

Die Frankfurter Rundschau wusste heute Erstaunliches zu berichten:

Mehr als 1,3 Milliarden Menschen leben in China, und die sollen – so will es der Staat – möglichst wenige Kinder bekommen. Ein perfekter Markt für den größten einheimischen Kondom-Hersteller, sollte man meinen. Doch offenbar nicht perfekt genug: Der chinesische Kondom-Hersteller Safedom sucht europäische Investoren oder Neuerwerbungen, um den internationalen Markt zu erobern, berichtet die britische Financial Times.

Na, wenn das nicht mal eine meldenswerte Meldung ist. Insbesondere, da eine nicht unbeträchtliche Zahl von „europäischen“ Kondomen bereits in China gefertigt werden – allerdings eben nicht von Safedom. Da liegt nämlich der Hase im Pfeffer: Es ist nicht so, dass der einheimische Markt nicht gut genug wäre – nein, die einheimische Konkurrenz erwirbt als Auftragsfertiger für westliche Marken internationales Renommée, und das wurmt die „Zurückgebliebenen“ von Safedom. Interessant ist allerdings folgender Absatz:

Dagegen ist Safedom, 2006 im chinesischen Yantai gegründet, bisher ausschließlich auf dem chinesischen Markt vertreten – allerdings mit Stückzahlen im dreistelligen Millionenbereich. Deshalb produziert das Unternehmen bisher auch überwiegend Kondome für Frauen, auch Femidome genannt, die in China als Verhütungsmethode weit verbreitet sind. Dabei arbeitet Safedom eng mit den chinesischen Behörden zusammen. An der Entwicklung der Produkte ist die Nationale Kommission für Bevölkerung und Familienplanung beteiligt.

Durex, nach eigenem Bekunden Weltmarktführer bei Kondomen, gibt sich „gelassen“; noch, so scheint es, ist die Position der Marke unangefochten. Ob sich das aber gerade jetzt angesichts der derzeitigen Lieferschwierigkeiten (manche Durex-Produkte sind seit Monaten nirgendwo mehr zu kriegen, bei manchen wird von weiteren mehreren Monaten ausgegangen, bevor sie wieder lieferbar wären) auf Dauer so aufrecht erhalten lässt, ist zumindest fraglich. Dass ausgerechnet jetzt, wo Durex wackelt, die Mitbewerber um einen besseren Platz auf dem Weltmarkt buhlen, kommt nicht von ungefähr.

Die Chinesen sind schuld

In den letzten Tagen konnte man wieder einmal eine ziemlich typische „Stille Post“-Geschichte mitlesen. Schlagzeilen wie „Südafrikaner wollen keine chinesischen Kondome“, „Chinesische Kondome für Südafrikaner zu klein“, „Gericht hat entschieden: China-Kondome für Südafrikaner zu klein“ und ähnliche sind das total verquere Ergebnis der schludrigen Kürzung eines eigentlich ganz normalen Vorkommnisses (na ja, normal sollte es vielleicht nicht sein, aber es kommt halt immer wieder vor) – es geht nämlich eigentlich darum, dass eine chinesische Firma den Zuschlag für eine Ausschreibung bekommen hat, obwohl sie ihn – wenn alles ordentlich gelaufen wäre – nie hätte bekommen dürfen. DAS ist die eigentliche Schlagzeile in Südafrika gewesen: es ging um die Auftragsmauschelei, nicht um die Kondomgröße und auch nicht um „die Chinesen“.
Eine gute Zusammenfassung findet sich auf IOL.co.za:

Millions of female condoms, which were not approved by the World Health Organisation (WHO), were destined to be distributed by the Department of Health after the government wrongly approved a tender for the condoms.
In a judgment delivered by the Pretoria High Court on Thursday, it emerged that the female condom – of which at least six million were to be distributed – was manufactured in China from polyurethane and not the required nitrile latex. (…) Siqamba Medical was awarded the contract to supply 11 million female condoms at R5.74 each, bearing the brand name “Phoenurse”. But the court was told that this product did not have WHO approval and was 20 percent smaller in diameter than the applicant’s condom.

„Die Chinesen“ – also die Firma Siqamba Medical – haben „den Südafrikanern“ also Sachen geliefert, die sie gar nicht bestellt hatten. „Kondome“ ist im Prinzip ja richtig, wie Sender Jeriwan melden würde, aber es waren eben Femidome, und die gibt es nun mal (wie „normale“ Kondome auch) in verschiedenen Ausführungen. Und was für Chinesinnen Standard ist, ist für Südafrikanerinnen etwas zu klein. Man hat also erstens die Ausschreibung versaut, und dann auch noch beim Bestellen geschlampt – Standard wurde bestellt, Standard wurde geliefert…
Ein typischer Fall von „Gier frisst Hirn“ auf beiden Seiten, und zusammen mit der bald schon normalen journalistischen Fehlleistung beim Verstehen und Umsetzen fremdsprachiger Meldungen kommt dann eben nur tendenziöser Schwachsinn raus. (Ja, Leute, auch Englisch ist eine eigene Sprache, und man muss sie lernen, um sie zu verstehen!)