Gratis-Kondome in Wien

Traurige Nachrichten für Österreichs Kondomhändler: Zwanzigtausend Gratiskondome gibt es seit dieser Woche wieder an verschiedenen Plätzen in Wien, liest man in einer Pressemitteilung von Pro:Woman, einem „Zentrum für Liebe ohne Kinderwunsch“.

pro:woman SAFE – Unter diesem Motto startet heuer die Sommerkampagne des pro:woman Ambulatoriums. Sommer, Sonne, Ferien… und Sex. Damit das auch so unbeschwert bleibt wie es klingt, verteilt pro:woman auch heuer wieder rund 20.000 Gratiskondome an Wiener Jugendliche.
„pro:woman geht mit dieser Aktion bereits in sein fünftes Jahr“, so Elke Graf, Leiterin des pro:woman Ambulatoriums am Fleischmarkt. Die Kondome werden an verschiedenen Plätzen in Wien verteilt, vor allem dort, wo sich junge Menschen aufhalten. „An Relax- und Chillout-Zonen wollen wir auf das Thema Verhütung aufmerksam machen – nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf praktische Art und Weise, eben durch das Verteilen unserer Kondome“.
„Viele ungewollte Schwangerschaften könnten verhindert werden, wenn ein Kondom dabei wäre“, so Graf. „Märchen, wonach zum Beispiel Sex beim ersten Mal ohne Folgen bleibt, schwirren leider noch immer in den Köpfen vieler Jugendlicher herum.“

Quelle: Pro:Woman Pressemeldung via OTS.at

Eine Studie – zwei Lesarten

Bereits letztes Jahr veröffentlichte der Kondomhersteller Durex eine Studie über das Sexualverhalten von Jugendlichen (Teilnehmer: 15768 Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren aus ganz Europa).

Das Ergebniss zeigt, dass sich eine frühe Aufklärung positiv auf das Wissen, die Einstellung und das Verhalten der Jugendlichen auswirken kann [und] dass junge Frauen deutlich besser aufgeklärt sind und sich vernünftiger Verhalten als gleichaltrige Männer. Auch ist es ein gutes Zeichen für Aufgeklärtheit, wenn man eine geringere Anzahl an Sexualpartnern hatte als der Durchschnitt.
Die Studie umfasste die Bereiche Wissen, Einstellung und Praktiken. Zu den verschiedenen Bereichen wurden insgesamt 41 Fragen gestellt aus denen sich dann eine Gesamtwertung errechnete. Unter anderem haben die Teilnehmer der Studie Fragen beantwortet wie “Wie können Sexualkrankheiten übertragen werden?” oder “Mindern Kondome in deinen Augen das Vergnügen beim Geschlechtsverkehr?”

Soweit der generelle Trend der Berichterstattung, hier zitiert von Zeit für 2. Dass man die Hauptergebnisse der Studie aber auch zur Nebensache erklären und ganz anderte Dinge in den Vordergrund rücken kann, zeigte gestern (bezug nehmend auf eben diese Studie) die Donau Falter Zeitung unter der Überschrift „Türken wollen keine Kondome“:

44,4% der befragten türkischen Jugendlichen glauben das Ammenmärchen, dass man bei der normalen Benutzung einer öffentlichen Toilette mit Sexualkrankheiten angesteckt, werden könne. Wahrscheinlich ist das eine über Jahre inszenierte Lüge, die auch nützlich ist, das Fremdgehen in muslimischen Kulturen zu vertuschen. Nur 28,8% der befragten Deutschen glauben an diese Fehlinformation.

Nach weiteren Vergleichen zwischen den ach so bedauernswert rückständigen Türken / Muslimen und den vorbildlichen Deutschen kommt Angelika DemelMarie Sacher, die Autorin des Artikels, zu dem Schluß:

Bis auf die Teilnehmer aus der Türkei sind in allen Ländern mehr als 80% der Jugendlichen bereit, in diesem Fall ein Kondom zum Schutz zu verwenden. Sollen wir Unterricht künftig doch auf Türkisch abhalten, damit die AIDSplage nicht zum Kulturproblem wird?

So kann man natürlich die (bekanntlich aus dem Westen eingeschleppte) AIDS-Plage wunderschön zum türkisch-islamischen Kulturproblem erklären. Vielen Dank, Frau DemelSacher, für diesen wertvollen Beitrag zur Aufklärung über den Islam.
(Manchmal kann man nur den Kopf schütteln…)

Kondomgeschichten aus Frankfurt

AIDS in the CityMal was anderes zum Lesen – zwischen den Feiertagen sollte ja ein wenig Muße dazu sein 🙂
Ich empfehle mal einen Blick auf die Kondomgeschichten der ehemaligen 9c der Bettinaschule Frankfurt, zusammengefasst unter dem Titel „AIDS in the City“. Hier hat sich eine ganze Schulklasse große Mühe gegeben, in Text und Bild das Thema „Kondome“ zu verarbeiten.

Wir sind die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 c der Bettinaschule in Frankfurt. Wir behandelten im Biologieunterricht im Rahmen des großen Themas „Blut und Immunsystem“ auch das Thema HIV und Aids. Als in Frankfurt auf der Zeil die Aids-Informationstage stattfanden, unternahmen wir eine Exkursion dorthin, um so unser theoretisches Wissen durch eine Information mit Fachleuten zu vertiefen. (…) „AIDS and the City“, dieser Titel wurde per Mehrheitsbeschluss festgelegt. Er soll zeigen, dass das Thema Aids in einer Stadt wie Frankfurt präsent ist, aber eigentlich über die Stadt hinaus für jeden Einzelnen wichtig ist. Frankfurt ist eine Stadt, die zum Beispiel als eine der wenigen deutschen Städte ein Denkmal für die an Aids-Verstorbenen hat. Somit zeigt sich allein schon dadurch, wie wichtig das Thema hier genommen wird.

Für Schulen, die zum Thema Kondome Projektarbeiten durchführen möchten, gibt es übrigens viel Unterstützung von Kondomproduzenten – natürlich in der Regel gratis. Zu empfehlen ist hier beispielsweise das Ritex 4 School-Set.