Von Kondomen kann man nicht mehr leben

Und wieder macht einer dicht, mitten in St. Pauli, eine traditionsreiche Einrichtung – die Condomerie am Spielbudenplatz:

Den Schriftzug über seinem Laden hat Fred Hesse bereits abmontiert. Bis Sonnabend läuft der Verkauf noch, aber bereits am Montag ist Schlüsselübergabe. Fast 30 Jahre lang hat Hesse die Condomerie am Spielbudenplatz betrieben. […] „Von Kondomen kann man nicht mehr leben“, sagt der Ladeninhaber mit den blitzblauen Augen.

Quelle: Abendblatt

Auch die Mopo hat was dazu geschrieben.
Tja. Allzuviele Kondomshops gibts heutzutage nicht mehr… (siehe auch hier und hier). Wird bald Zeit, dafür eine eigene Rubrik einzuführen, wenn es so weiter geht…

Kondom? Kann man schon mal weglassen.

Vor allem, wenn man in Sachsen-Anhalt wohnt. Meint zumindest die Mitteldeutsche Zeitung in ihrem gestrigen, ganzseitigen Plädoyer für eine Legalisierung von Cannabis (wegen der großen Wichtigkeit sowohl online als auch in der Printausgabe):

Marihuana-Konsumenten haben mehr Lust auf Sex, zugleich sollen sie auch vergesslicher sein – ein Kondom bleibt dann auch mal unabsichtlich in der Tasche. Sachsen-Anhalt, das immer noch unter Wegzügen und einer geringen Geburtenrate leidet, könnte sich folglich vermutlich bald nach einer Legalisierung über einen Anstieg der Geburtenzahlen freuen.

Klar. Und woher kommt der Optimismus, dass die Leute, die in Massen nach Sachsen-Anhalt kommen werden, um sich bekifft das Hirn aus der Birne zu vögeln, dann auch brav dort bleiben und zur Erholung der Bevölkerungszahlen beitragen werden? Die Sachsen-Anhaltiner haben es nun gerade nicht nötig, zum Kindermachen angehalten zu werden, schließlich haben gerade die östlichen Bundesländer noch immer eine im Vergleich zum Westen höhere und über dem bundesdeutschen Schnitt liegende Geburtenrate (1,4 Geburten pro Frau im Vergleich zum Deutschland-Durchschnitt von 1,36)… Nein, wahrscheinlich müsste man dann eher die Hamburger (1,27) busladungsweise zum Rudelbumsen nach Halle fahren.
Nun ja. Wir werden das beobachten; die (noch offene) Gremze zu Sachsen-Anhalt verläuft nur ein paar Kilometer von hier. Und das erste, was man sieht, wenn man selbige überquert, ist eine Müllkippe. Wäre sicher schön, wenn dort statt dessen ein paar Kindergärten inmitten grüner Hanfplantagen zu finden wären.

Hamburg schon wieder: jetzt sogar eigene Kondome…

HH-Kondom-LogoIn Hamburg ticken ja manche Uhren anders als im Rest des Nordens, Deutschlands oder der Welt. Hamburger finden das in der Regel ganz normal, andere manchmal eher weniger. Dass die Hamburger eine eigene Bulette (eben den „Hamburger“) und eine eigene Rechtsprechung haben, ist ja hinlänglich bekannt – jetzt bekommen sie auch eigene Kondome, wie Schwulissimo meldet:

Nach dem großen Vorbild, dem seit 2007 mit einer monatlichen Auflage von 1,5 Millionen Stück verteilten New York City Kondom, gibt es seit Anfang Mai nun auch das hanseatische Pendant, das Hamburg Kondom. (…) Bis zum Welt-AIDS-Tag Anfang Dezember sollen die unterschiedlichsten Events der Stadt dazu genutzt werden, die Hamburg Kondome zu verteilen und unter das Volk zu bringen.

Mehr Details gibts auf der eigens dazu eingerichteten Website www.Hamburg-Kondom.de und natürlich auf Facebook. Was ich aber bis jetzt nicht finden konnte, sind Infos über das Kondom selbst – Länge, Breite, Dicke, Spezialausstattung, Hersteller … alles geheim?

Update, 08:31 Uhr: Ein Kollege macht mich gerade darauf aufmerksam, dass ich wohl zu sehr unter Verschwörungswahn neige, von wegen „alles geheim“ und so. Man kann auf der Hamburg-Kondom-Website den Produktflyer downloaden, und da steht’s drauf: Das Hamburg-Kondom ist AMOR nature. Glatt, zylindrisch, Standard ohne Extras. Danke, DD.

Wissen BILD-Leser nicht, wie ein Kondom aussieht!?

aufgeklebte KondomeNun, zumindest hat es den Anschein; warum sonst müsste BILD ein Foto derart nachbearbeiten? Ein kürzlich veröffentlichter Beitrag über die Forderung der Hamburger Grünen-Chefin nach kostenlosen Kondomen für Hartz-IV-Bezieher wurde mit einem Foto der Politikerin illustriert, auf dem sie drei Kondome zeigt – es könnte ja sein, dass jemand nicht weiß, wie die so aussehen. Damit das Ganze noch deutlicher wird (es bestünde ja sonst die Möglichkeit, dass man die viereckigen Siegelfolien mit dem deutlich sichtbaren Aufdruck „Durex“ für irgendentetwas anderes halten könnte – Schokoriegel, Dollars, Bildungsgutscheine…), hat der zuständige Realitätsverzerrer noch schnell ein Kondom außen auf die Siegelfolie draufretuschiert Durex Kondom (Sorte: Be Close, Juni 2013) Vorderseite(links im Bild ein echtes Durex-Kondom, mal schnell eingescannt). Natürlich könnte dadurch jetzt (zumindest bei Leuten, die noch nie Kondome benutzt haben – ist das die Zielgruppe der BILD?) der Eindruck entstehen, Kondome gebe es nicht hygienisch versiegelt IN einer Folie, sondern aufgeklebt AUF eine solche. Ich weiß ja, dass BILD-Leser gerne für dumm gehalten werden, und dass deswegen viele Politiker gerne in der BILD auftreten, wo sie meist unwidersprochen den größten Blödsinn ablassen können, aber manchmal… ach, vergessen wir’s.

Ich bin dafür, BILD-Redakteue mit gratis Kondomen zu versorgen. Durex, ausgepackt und augeklebt, natürlich. Vielleicht kann dann die nächste Generation Zeitungsleser wieder Vertrauen fassen in die Berichterstattung.

Bild- und Artikelquelle: www.bild.de/regional/hamburg/kondome/gratis-fuer-beduerftige-fordern-gruene-30785958.bild.html, Bild-Unterschrift: „Hamburgs Grünen-Landeschefin Katharina Fegebank (36) will Menschen mit Hartz IV bei der Verhütung helfen“, Foto: Ronald Sawatzki. Ich lasse ja in diesem Blog nicht gerne den Piraten raushängen, aber ich hoffe, der Ausschnitt ist klein genug, dass hier nicht gleich wieder eine Horde Anwälte wegen Urheberrechtsverletzung in die Spur geschickt wird, weil ich mit dem „Content-Diebstahl“ die gesamte Familie des Fotografen (der von der kleinen „Nachbearbeitung“ seines Fotos möglicherweise gar nichts weiß?) ins jahrhundertelange Elend stürze. Das veröffentlichte Bild ist 1280×720 Pixel groß, besteht also aus 921.600 Bildpunkten; der Ausschnitt ist 128×146 Pixel große, hat also 18.688 Bildpunkte, das entspricht 2% des Originalbildes. Sollte als Zitat gerade noch durchgehen.

Ach so, was wollte die Grüne da gleich noch? Ach ja: „IHRE FORDERUNG: KONDOME GRATIS. SPIRALE UND PILLE AUCH! Ein Rundum-Sorglospaket sozusagen wie es vor 2005 war, bis die Hartz-IV-Gesetze eingeführt wurden.“ Ich glaube, die Grammatik ist © BILD, die junge Frau sieht dafür zu intelligent aus. Und natürlich gab es auch vor 2005 kein Recht auf Gratiskondome. Aber hej, wen scheren schon solche kleinen Retuschen an der Realität 🙂 Schließlich stecken in dem „Artikel“ ja noch ein paar mehr.