Wer hat’s erfunden?

Diesmal waren es nicht die Schweizer, denn es geht ja auch nicht um Hustenbonbons, sondern um Kondome. Ganz spezielle Kondome, nämlich maßgeschneiderte Kondome für den Mann, die (zumindest für die „Journalisten“ von Mann.TV) eine „Sex-Revolution“ sind und erst „kürzlich von der amerikanischen „Food and Drug Administration“ (FDA) offiziell grünes Licht“ erhielten.
Im Prinzip ist das ja schon richtig, würde der Sender Jerewan melden, aber das grüne Licht, das die Redaktion hier sieht, ist eher das am Ende des Tunnels, denn die kürzliche Freigabe betraf nur einige Randgrößen, die bis vor einigen Jahren in den USA (im Gegensatz zu Europa) offiziell nicht angeboten werden durften; hier hat die FDA also nur nachgebessert.

Ein U.S.-Hersteller nahm sich dieses Problems an und entwickelte eine Lösung

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber es war nicht der, den Ihr meint, sondern ein Amerikaner namens Frank Sadlo, der vor mehr als 10 Jahren die erste Serie dieser Maßkondome patentieren ließ und mit der Vermarktung begann. Aber „Amerika“ stimmt wenigstens schon mal 🙂

Für den europäischen Raum wird über die Tocherfirma (sic!) „They Fit“ aber auch eine Vorlage mit deutscher Anleitung angeboten

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber TheyFit ist keine Tochterfirma von One, sondern die Marke, unter das Produkt ursprünglich vertrieben wurde, und zwar von der (mittlerweile nicht mehr existierenden) US-Firma gleichen Namens, die auch tatsächlich eine Tochterfirma hatte (die auch nicht mehr aktiv ist), aber nur in und für Großbritannien.

die Herstellerfirma „One Condoms“

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber One Condoms ist eben keine Firma, sondern „nur“ eine Marke, die der Firma Global Protection Corp. in Boston (Ma.) gehört, die wiederum vor nicht allzu langer Zeit vom malaysischen Kondomproduzenten Karex aufgekauft wurde (der der eigentliche Produzent der TheyFit- bzw. MyOne-Kondome war und ist).

…ermittelt ihr eure individuelle Größe anhand einer Codierung, welche nur die Herstellerfirma […] entschlüsseln kann.

Im Prinzip ja, aber für ganz so doof sollte man die Kunden dann doch nicht halten. Erstens kann man leicht nachmessen, zweitens sind die Angaben zur nominalen Breite ohnehin Pflichtangaben und stehen auf jeder Packung. Außerdem sind sie beim deutschen Alleinvertrieb für TheyFit/Mysize (bei dem es sich nicht um eine „Tochterfirma“ von irgendwem handelt) bei jedem Produkt nachzulesen. Die scheinbar wahllosen Größenangaben sind Marketing, nichts weiter, auch wenn sie psychologisch manchem entgegenkommen und sich leichter merken lassen.

Die Idee des eingangs erwähnten Kondom-Herstellers

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber es ist eben, wie gesagt, nicht seine, sondern nur eine zugekaufte. Der Erfinder ist seit Jahren von der Bildfläche verschwunden, aber der von ihm mit Freunden seit 2007 (mit Untebrechungen) aufgebaute Europa-Vertrieb durch autorisierte Händler in den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Deutschland lief schon gut und erfolgreich, bevor der Auftragsfertiger anfing, mit Geld um sich zu werfen, und einige große Marken schlicht zu eigenen machte.

… für jeden Mann das passende Präservativ herzustellen. In der Praxis bedeutet dies, dass wir aus einem Portfolio aus 60 Kondomgrößen wählen…

Im Prinzip ja, würde der Sender Jerewan melden, aber erstens bleiben noch immer gut 1% der Männer ohne Maßkondom, da erstens die (hier wie auch drüben) geltenden Standards für Länge und Breite nach oben und unten begrenzt sind, so dass einige Männer auf große Fingerkondome oder (mithilfe ihrer Partnerinnen) auf Femidome angewiesen sind, zweitens nicht alle möglichen Längen-Breiten-Kombinationen abgedeckt sind (OK, bleistiftdünne speerlange Penisse sind genauso selten wie welche, die einer runtergebrannten Altarkerze ähneln, aber es gibt sie). Und drittens sind es in Europa 66 Größen, ihr habt also gleich 10% unterschlagen.

Nu ja. Aber Pressemeldungen und Werbetexte abschreiben ist ja die neue Recherchetechnik 🙂

Stille Post à la Suisse

…oder: Rechnen ist nicht jedermanns Stärke. Wie aus dieser Überschrift (vom Artikel selbst wollen wir ja gar nicht reden, das ist für Klickjäger definitiv tl;dr)

diese Schlagzeile wurde

ist eigentlich nur mit akuter Schwurbelitis im Zusammenhang mit starker Aversion gegen Zahlen zu erklären.

Nicht so hastig, Jungs.

Gaaanz überraschend hat die Wissenschaft (endlich!) herausgefunden, dass es grundsätzlich besser ist, sich gerade bei wichtigen Dingen (wie dem Überziehen eines Kondoms) ausreichend Zeit zu lassen, um Fehler (und daraus resultierende spätere Probleme, Kevins, etc.) zu vermeiden.

This event-level analysis suggests that women and men who perceive that condom application was rushed are more likely to experience errors/problems during the sexual event that substantially compromise the protective value of condoms against disease and pregnancy. Educational efforts emphasising the need to allow ample time for condom application may benefit this population. (Sex Transm Infect. 2015 Jun;91(4):275-7. doi: 10.1136/sextrans-2013-051491. Epub 2014 Nov 12.)

Nun ja.
Wirklich überraschend ist das nun nicht. Und neu eigentlich auch nicht, wenn man sich das Datum der Veröffentlichung anschaut. Aber irgendjemand brauchte wohl einen Lückenfüller, und so wurde es eben eine „aktuelle Studie“ – und wie das so ist, wird diese „aktuelle Studie“ nun überall wiedergekäut, als wenn sie irgend etwas neues bringen würde. Nein – tut sie nicht. Sie untermauert halt nur eine alte Binsenweisheit – die dadurch natürlich aber nicht weniger wichtiger ist. Also: Lasst Euch Zeit. Nicht nur beim Überziehen 🙂

Gestern war International Condom Day

Wie erst heute aus verschiedenen Publikationen zu erfahren ist (aber auch nur, wenn man gezielt danach sucht), war gestern der Internationale Tag des Kondoms. Diese Meldung fand sich leider nur hier und da auf den Lokalseitigen örtlicher Presseorgane (so z.B. für San Francisco nur bei CBS Local), eine Information im Vorfeld gab es von öffentlicher Seite wohl nicht. Auch die großen Kondomhersteller, die doch an solch einem Tag eigentlich zur Höchstform auflaufen sollten, hielten sich dieses Jahr sehr bedeckt. Schade eigentlich; wieder eine gute Gelegenheit vorbei…

Julian Assange und das geleakte Kondom

Nein, ich werde hier keine Abbildung des streitgegenständichen Kondoms veröffentlichen. Ich poste auch keine Links dazu, die kann jeder selbst finden. Ich werde mich auch nicht weiter dazu äußern; die passenden Verschwörungstheorien habe ich bereits früher behandelt. Ich möchte mich hier eigentlich nur wundern, mit wieviel Häme dieser Mensch jetzt bedacht wird.
Erst sind alle auf seiner Seite und halten die Kondomgeschichte für einen passenden Vorwand, den unbequemen Assange mundtot zu machen; Solidaritätsbekundungen allerorten und Buhrufe für die schwedischen Groupies – und jetzt nur noch Schadenfreude und Stinkefinger? Manchmal fragt man sich, wer hier noch normal ist. Die Presse offensichtlich nicht; mit solch einem kurzen Gedächtnis wäre Otto Normaldenker schon in die geschlossene Abteilung für Demenzkranke eingewiesen worden. Hoch lebe die Alzheimer Tageszeitung!