Mittwoch ist Schwurbeltag

Ich bin gerade über eine Seite gestolpert (kommt ja öfter mal vor, sowas). Lauter medizinische und Medizin-affine Themen, viel Text. Unter anderem einer mit dem Titel „Was ist ein Kondom?“. Gute Frage, dachte ich, man sollte ja mal wieder zu den Basics zurückkommen; man setzt ja immer voraus, dass alle Leute wissen, was ein Kondom ist – was aber, wenn jemand das tatsächlich nicht weiß?
Lesen wir also mal in diesem Artikel (Ihr müsst da nicht hin, und wenn doch, dann macht vorher den Adblocker an, da ist haufenweise Werbung dazwischen):

Ein Kondom ist eine Hülle aus Latex, Polyurethan, Polyisopren oder Lammfell.

Lammfell, soso. Kuschelkondome, oder was? Echt jetzt? Ach nee, doch nicht:

Lammfell-Kondome werden aus Schafdarm hergestellt

Jaaa soo. Alles klar, Liegt ja auch auf der Hand. Schaf = Lamm und Fell = Darm. (Gemeint sind sicherlich diese; andere gibt es von dieser Art nicht)

Trockene Kondome sind vorhanden, aber geschmierte Kondome machen oft sexuelle Aktivität für beide Partner bequemer.

Klar. Läuft ja dann wie geschmiert. 🙂

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Voraussetzungen für die Kondomqualität empfohlen, die viele Länder folgen.

Äh… nein. Es ist nicht wie WHO, sondern die ISO, und sie hat nichts empfohlen, sondern festgelegt, und zwar nicht die Voraussetzungen für die Qualität, sondern die Mindestanforderungen an die Qualität. Aber sonst, ja, im Prinzip schon, durchaus, wie der Sender Jerewan melden würde.

Weibliche und männliche Kondome sollten nicht gleichzeitig verwendet werden.

Nee, nicht dass die sich dann noch fortpflanzen. Geht ja gar nicht. (Es heißt „Kondome für Männer“ und „Kondome für Frauen“ bzw. „Frauenkondome“. Das Kondom als solches ist immer sächlich, es kann sich also nicht fortpflanzen, sondern muss nachgekauft werden.)

Kondome, die das Spermizid Nonoxynol-9 enthalten, werden nicht für Paare empfohlen, die Kondome für irgendetwas anderes als Schutz gegen Schwangerschaft verwenden, weil die Chemikalie das Risiko der HIV-Verringerung erhöhen kann.

Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Also nicht das Spermizid, sondern die Aussage. Es erhöht das Risiko, dass HIV sich verringert. Risiko. Die Leute würden jubeln und nur noch spermizide Kondome kaufen, wenn das so wäre (Gibt ja nicht mehr viele, Amazon hat beispielsweise nur noch diese).

Ceterum censeo:

Es ist auch wichtig, Kondome richtig zu setzen, je nach den Anweisungen, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen, welche Studien von 85 bis 98 Prozent, je nach Marke und wenn sie richtig verwendet werden.

Da verließen sie ihn dann wohl.

Holt mich hier raus

https://www.behance.net/gallery/53080695/Some-people-should-never-been-bornDa dachte man, es käme mal etwas Ruhe in die Trumpomanie, wo der erste Hype nun doch lange durch sein sollte, aber nein – manche müssen immer noch eins draufsetzen. So zum Beispiel die brasilianische Agentur Platinum FMD mit ihrer Anti-KondomPräsidenten-Kampagne „Some people should never have been born„, in der (wahrscheinlich extra starke) Kondome zum Eintüten von ein paar Unsympathen missbraucht werden.
Abgesehen davon, dass das Ganze ein wenig geschmacklos ist, ist auch die Umsetzung nicht unbedingt großartig zu nennen; mit der Textur des Materials hat sich das Gutmenschenteam wohl nicht eingehend auseinandergesetzt, wie die Detailaufnahmen auf der Projektseite zeigen – Latex (oder auch Polyisopren) sieht anders aus bzw. dehnt sich anders, wenn man es über ein Objekt spannt. Vielleicht ist mal einer meiner brasilianischen Kollegen so freundlich und schickt den Leuten ein paar echte Kondome. Für Materialstudien, natürlich nur. Nicht dass jemand auf die Idee kommt, ich fände diese Mainstream-„ich will auch noch draufhauen“-Karikaturversuche irgendwie unlustig und wollte die politisch korrekten Eiferer irgendwie ablenken, indem ich sie dezent auf andere Vergnügungen hinwiese.

Tag der Auferstehung?

Totgeglaubte leben länger, heißt es ja zuweilen. Hier ist einer – und zwar die Kondommarke „R3“ (die älteren werden die noch kennen, ist eine Schwester vom ollen Billy Boy), die will jetzt ihre Position in Israel ausbauen. Da sind sie zwar bisher schon ganz gut aufgestellt, aber anscheinend wird der Konkurrenzdruck auch dort stärker, insbesondere durch die Platzhirsche à la Durex einerseits und neue, fair/vegan aufgestellte Marken wie Glyde andererseits (und sooo groß ist der israelische Markt ja nun nicht…).
Nun hat R3 Israel also sein Produktportfolio aufgehübscht (Ähnlichkeiten zu anderen Marken sind natürlich rein zufällig, versteht sich, aber wahrscheinlch sowieso kaum vermeidbar) und wirbt mit einem doch mal ganz gut gelungenen Clip für die „starken Kondome aus Deutschland“:

Mehr dazu gibts auf NOZ.de:

Mehr als 400.000 Aufrufe hat das Video bisher, es wurde mehr als 3.000 Mal kommentiert. Dabei ist es erst seit wenigen Tagen online: Die Erscheinung wurde auf den 9. Juni, den Tag der „Pride Parade“ in Tel Aviv gelegt.

BzgA: Neue Kampagne

Tut mir leid, Leute, ab und zu muss ich auch mal einen ensthaften Beitrag posten 🙂 Nein, nur Spaß, tut mir gar nicht leid. Was ich sagen wollte: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat, wie in der letzten Pressemitteilung verlautbart, eine neue Motivstaffel für ihre Liebesleben-Kampagne veröffentlicht.
Für alle, die jetzt „Häh?“ denken: früher hieß das mal „Mach’s mit“ (und „Gib AIDS keine Chance“) und hatte Kondome im Fokus; heute spielen Kondome zwar immer noch eine Rolle, stehen aber nicht mehr so sehr im Vordergund wie damals; offenbar ist die Zunahme der Kondomverwendung als ausreichend erachtet worden, um auch mal ein paar andere Themen mit nach vorne zu holen.

Kondome sind nach wie vor der beste Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). „Benutzt Kondome“ ist deshalb eine der zentralen Botschaften der neuen HIV/STI-Präventionskampagne der BZgA, die im letzten Jahr unter dem Namen LIEBESLEBEN die bis dahin aktuelle Kampagne „GIB AIDS KEINE CHANCE“ abgelöst hat. Um das Schutzverhalten in der Bevölkerung auf einem hohen Niveau zu halten, motiviert die BZgA ab sofort mit einer neuen Motivstaffel von LIEBESLEBEN zur Nutzung von Kondomen in sexuellen Risikosituationen.
Die zweite zentrale Botschaft der neuen Motivstaffel heißt „Geht bei Symptomen für eine sexuell übertragbare Infektion zum Arzt“. Denn selbst wenn sich Menschen Gedanken machen, ob sie sich mit einer STI angesteckt haben könnten, gehen viele nicht zum Arzt. So haben von den 40 Prozent der Menschen mit mehreren Sexualpartnerinnen bzw. Sexualpartnern, die überlegten, ob sie sich angesteckt haben könnten, nur etwa 58 Prozent einen Arzt aufgesucht.

Also: Noch schnell Kondome holen, es steht ein langes Wochenende vor der Tür!

The Voice-Activated Zero-One Belt

Das wär’s doch mal… Schluss mit sinnlich heimlich alles mitlauschenden NSA-Mikrofonen in Kinderspielzeug und Amazon-Bestellrufsäulen: Kondom auf Zuruf, und zwar aus dem sprachgesteuerten „Zero-One Belt“ des japanischen Marktführers Okamoto. Immer im richtigen Moment verfügbar…

OK, ja, ist nur ein Werbegag für Okamotos Zero-One-Kondome, weiß ich.
Wäre doch aber trotzdem ein hübsches Gadget, vor allem, wenn man selbst einstellen könnte, auf welches Wort hin die Hose fallen und das Gerät aktiv werden soll (bevor man es verschenkt, natürlich). Kopfkino…

Kondome gegen Kopfschmerzen

Kondome sind ja was Feines (wie ich immer zu sagen pflege); sie sind seit ihrer Erfindung eigentlich DAS Universalwerkzeug zur Familienplanung und schützen mittlerweile auch gegen jede Menge sexuell übertragbarer Krankheiten, ohne in die Körperchemie eingreifen zu müssen, ohne Rezeptpflicht, ohne großen finanziellen Aufwand.
Wie schön wäre es da, wenn man die Palette an positiven Eigenschaften noch vergrößern könnte, dachten sich da zwei pfiffige Italiener, und erfanden das Superkondom, das nun auch nicht nur vorbeugen helfen, sondern sogar heilen können soll. Und nebenbei auch gegen Kopfschmerzen helfen. Fick Dich gesund!

JIMY™ has finally arrived! And it isn’t simply “a condom”. Its role is not only that of the classic contraceptive device or protection from STD’s (Sexual Transmitted Diseases), but also that of a stimulator and healer during sexual intercourse. It helps to cure and treat vaginal dryness and annoying genital soft tissue infections. It can also boost a weakened immune system, with a resulting reduction in ‘flu symptoms such as fever and headaches. Headaches are no longer an excuse!

JIMY ist also nun „the world’s first healer condom und wartet eigentlich nur noch auf ein wenig… Geld. Sonst nichts. Von den via IndieGoGo aufzutreibenden 35.000 Dollar fehlen nur noch knapp, äh, 34.995 (Stand gestern abend), es kann also bestimmt bald losgehen. Wer Geld geben möchte, darf sich dann auf einen 10%igen Preisnachlass und eine Online-Dankeschön freuen.
Ach so, die T-Shirts, Handtücher, Werbetassen, … sind auch schon fertigt designt. Ist ja nicht unwichtig.

Ritex „bloggt“ jetzt. Sagen sie.

Ich mag Ritex. Ehrlich. Super Produkte, nette Menschen, deutscher Mittelstand at its best, sozusagen. Ich mag auch die Ritex-Party-Tour und was da noch alles an Kondom-Awareness-Aktivitäten läuft. Aber jetzt will man von Bielefeld aus die Blogosphäre erobern – und tritt natürlich gleich ins große Fettnäpfchen, indem man erst einmal eine Pressemitteilung raushaut und alle Aggregatoren-Portale mit Eigenwerbung und der kommerziellen Ausrichtung erschlägt. Ich zitiere mal aus der Pressemitteilung, die unverändert in -zig unwichtigen, aber die Kanäle verstopfenden „News“-Portalen erschien:

Wie bereite ich das erste Date perfekt vor? Wie ist es, in dritter Generation eine Kondomproduktion zu besitzen? Welche Neuheiten und Trends gibt es bei Kondomen oder auch bei Gleitmitteln? Frei nach Woody Allen geht Ritex nunmehr allem nach, was Sie schon immer über Kondome wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten. Das Blog-Team besteht dabei aus Ritex Mitarbeitern, die im Bereich der Endverbraucherkommunikation, dem Vertrieb und dem Marketing arbeiten. Es ist geplant, dass die Ritex-Blogger ihre eigenen Sichtweisen und Erlebnisse mit den Rückmeldungen von Endverbrauchern, Geschäftskontakten und anderen in Verbindung bringen und daraus sowohl unterhaltsame, als auch informative Beiträge schreiben. Für Themen mit speziellem Fach- oder Hintergrundwissen sind auch die Leitung des Qualitätswesens und die Geschäftsführung mit an Bord.

Yo, Leute, das ist Marketing pur, das ist kein Blogging. Bloggen ist was anderes, nicht das wöchentliche Publizieren irgendwelcher Lifestyle-Ratgeber-Artikel. Nennt es doch bitte von mir aus eine Kolumne, oder ein Online-Lifestyle-Magazin, oder Euer X-und-fuffzigstes Marketing-Tool, aber bitte, bitte nicht BLOG. Es ist nämlich keiner.
Und natürlich geht es auch nur ganz selten um Kondome. Bisher. Ich hab mal zurückgeblättert – der letzte Beitrag, der Kondome zum Inhalt hat, ist vom Februar und kaut auch nur die hinreichend bekannten (weil schon oft genug durch Facebook und Twitter genudelten) sogenannten „Fun-Facts“ ab. Die „seit April“ versprochenen „eigenen Sichtweisen und Erlebnisse mit den Rückmeldungen von Endverbrauchern, Geschäftskontakten und anderen“ beispielsweise fehlen bisher ganz.
Und wenn Ihr schon polemisch werden wollt: Nein, „gesichtslose Kleinimporteure von Kondomen“ so herablassend abzuqualifizieren, ist eigentlich nicht das, was ich bisher von Euch kenne. Fazit bis jetzt: kein Blog, sondern nur ein Schuss in den Ofen. Aber vielleicht kommt da ja noch mal was…

Fast wieder hip(ster), diese Werbung

Zur Verhütung gibt es natürlich auch Kondome. Die wohl traditionsreichsten deutschen Kondommarken sind Fromms und Blausiegel. Und deren Werbefachleute wussten wirklich, wie man in den 80er Jahren die Jugend ansprechen kann…
Wir müssen unbedingt hipp und flott wirken! Holt sofort den Chefbuchhalter vor die Kamera!“

Knallhart, lieber Klopfer.
So mögen wir das. Und der Kerl ist auch bald wieder modern, zumindest trägt er ja schon eine trendige Hipsterbrille.
Fromms und Blausiegel gibts natürlich auch noch 🙂 wenngleich nicht mehr eigenständig, sondern nur noch als Marken der MAPA („Billy Boy“) und mit eingeschränktem Sortiment.

(Werbeanzeige aus einer BRAVO, Mitte der 80er Jahre, wer’s noch nicht erraten hat; Quelle siehe oben)

Ja und?

werbekondomeManchmal weiß ich nicht, ob ich mich ärgern oder nur den Kopf schütteln soll… Ständig flattern hier „News“ rein, in denen (entweder im Täterätätä-Modus oder im Wie-kann-man-nur-Ton) irgendeine Agentur es für meldens- und berichtenswert handelt, dass diese oder jene Einrichtung, Firma, Frickelbude oder Partei plötzlich und unerwartet und hastenichtgesehen mit Kondomen wirbst. Mit Kondomen! Wirbt! Horrorschocker zur Mittagszeit oder Anwärter auf den nächsten Innovationspreis, mindestens.
Echt jetzt. Wenn das der Stoff ist, aus dem heutzutage Nachrichten gemacht werden, dann gute Nacht, Marie.
(Und nein, von mir gibts noch keine Werbekondome. Sonst hätte das bestimmt schon im SPIEGEL gestanden.)
(Fotomontage unter Verwendung eines Fotos von © Diana Taliun – Fotolia.com)

Recht schreib Prüfung, Es gibt Sie!

Yohoho, und ne Buddel voll Rum. Diesmal für den Legastheniker, der glaubt, mit so einer schnell aus plagiierten Texten zusammengestrickten Seite könne man über Amazon-Affliate-Links kistenweise Geld scheffeln. Hat er bestimmt irgendwo gelesen. Falls er lesen kann. Schreiben kann er jedenfalls nicht; bis auf die irgendwo rauskopierten Sätze ist eigentlich kein einziger dabei, der auch nur irgendwie korrekt ist:
Screenshot: allergiefreie-allergiker.de/latexfreie-kondome/ vom 21.9.2014
Groß oder klein? Komma oder nicht? Männlich, weiblich, egal? Wir würfeln mal. Es gibt dazu übrigens auch eine Info im Impressum der Seite: „Die Inhalte dieser Website werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. […] Die Nutzung der Inhalte der Website erfolgt auf eigene Gefahr des Nutzers.“
Har, har. Und die „Rechtschreib-Allergie“, unter der er wohl selbst leidet, hat er nicht mit in seiner „Allergien Liste“. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: „Diese Liste wird von uns im laufe der Zeit erweitert, wer noch Allergien kennt die hier fehlen kann diese einfach als Kommentar hinterlassen. Wir werden diese dann im lauf der zeit nachpflegen.“
Aber zumindest hat der Beitrag mich in einer Hinsicht beruhigt: Es gibt mich. Und ich habe den Text gelesen, ohne Schaden davonzutragen. Zum Glück ist meine Rechtschreiballergikerallergie relativ symptomarm.
Ach so, fast vergessen: das kommt alles von hier. Müsst ihr aber nicht hinklicken. Alles, was orthografisch korrekt ist, ist irgendwoher kopiert (der Abschnitt „Was ist ein Kondom Überhaupt“ kommt beispielsweise 1:1 direkt von pharmawiki.ch, in korrekter Rechtschreibung [allerdings so, wie sie in der Schweiz üblich ist, also komplett ohne „ß“] und natürlich ohne Quellenangabe), der Rest tut einfach nur in den Augen weh.

(Update, 23.9.: Der von Pharmawiki geklaute Content wurde mittlerweile durch Text aus der Wikipedia ersetzt. Wie originell.)