Let’s Groove

Die Österreicher wieder. Streiten sich darum, ob man bei „Groove“ (entsprechende Englisch-Kenntnisse vorausgesetzt) an Rillen denkt oder nicht. Nach Ansicht des Österreichischen Patentamts eine sehr wichtige Sache; denn, so schreibt der Kurier:

Der Ausdruck „Groove“ beschreibe die Beschaffenheit der Ware und könne daher nicht als Patent angemeldet werden. Man kann zum Beispiel den Begriff „flüssig“ nicht als Marke schützen lassen, weil flüssig ein Zustand von verschiedenen Produkten und nicht nur von einem ganz speziellen ist.
Die angesprochenen Verkehrskreise der Kondome, so das Patentamt, würden nicht in erster Linie an Rhythmus denken. Sie verfügten über eine Englischausbildung und würden das Wort mit „Rinne, Rille, Furche“ übersetzen. Den Konsumenten sei bekannt, dass Kondome stimulierende Wirkung entfalten, wenn sie über Rillen verfügen. „Groove“ sei also bloß eine Beschreibung des Produkts, und keine Marke.

Soll heißen: Denkt der Kunde beim Anblick des gerillten Groove-Kondoms an Musik, wäre der Name okay; denke er eher an die Rillen, dann nicht. Verstehe einer die Österreicher.
Die beauftragten Patentanwälte der Herstellerfirma Church & Dwight (es geht, wen es interessiert, um die TROJAN™ Groove™-Kondome, die tatsächlich eine ungewöhnliche Rillung aufweisen, siehe nebenstehenden Bildausriss) ließen sich aber nicht lumpen und riefen das OLG Wien an, wo sie schlussendlich Recht bekamen, denn die Richter meinten:

Das englische Wort habe sich im Deutschen verselbstständigt und werde nicht mehr nach seiner wortwörtlichen Übersetzung als „Rinne, Rille, Furche“ verstanden, sondern sofort mit richtigem Rhythmus und Tempo gleichgesetzt.
Zwar mag es beim Gebrauch des Produkts auch auf Rhythmus und Tempo ankommen, der konkrete Zweck des Kondoms ist aber laut OLG die Empfängnisverhütung. Insofern ist „Groove“ keine Beschreibung, sondern kann als Markenname der Unterscheidbarkeit von Produkten dienen.

Nun ja. Warum der Kurier das allerdings erst jetzt ausgräbt, ist mir ein Rätsel; die Eintragung der Wortmarke erfolgte unter der Nummer 2304/2015 beim ÖPA bereits am 20.1.2015…
NB. Der Zweck dieser Rillen ist laut Produktbeschreibung aber kein besserer Groove beim Sex, sondern besteht darin, das Gleitmittel der Beschichtung während der gesamten Benutzungsdauer besser verfügbar zu halten („This patent pending condom design features a raised texture to help keep the lube in place throughout use.“); außerdem heißen die Rillen dort auch nicht grooves, sondern channels.

Geschmäht sei, was hart macht

Die Berliner Morgenpost berichtete diese Woche über einen mehr als zwei Meter großen Phallus, der in Traunkirchen in Sichtweite eines gerade jetzt zu Ostern wohl stark frequentierten Pilgerwegs steht, und nun offenbar wohl wieder als Symbol für die Verklemmtheit eines ganzes Landes herhalten muss. Man habe schon einen Sichtschutz gebaut, sagt der Eigentümer von Kunstwerk und Grundstück, ein ortsansässiger Kunsthändler, und auch den Pilgerweg ein wenig weiter weg gelegt – genützt hat wohl alles nichts, dazu hat das Ding wohl doch eine größere Anziehungskraft, vielleicht gerade auf all jene, die so etwas nur vom Hörensagen kennen (dürfen).

Kunsthändler Jürgen Hesz (53) sagte am Mittwoch, er habe nun als Verhüllung ein großes Kondom in Auftrag gegeben. „Welche Farbe es haben wird, steht noch nicht fest.“ Es solle aber einen Aufdruck bekommen: „Gelobt sei, was hart macht. Oder: Gelobt sei, was hart wird“, so Hesz.

Frohe Ostern.
(Kleiner Tipp zum Eiersuchen: Wozu in die Ferne schweifen, sieh – das Gute hängt so nah…)
Quelle: http://www.morgenpost.de/vermischtes/article210241861/Aerger-um-Riesen-Penis-am-Pilgerweg-Ziehe-Kondom-darueber.html

„Gefühlsechter Gummi-Wahlkampf“? WTF?

Sind die österreichischen Grünen nun besonders witzig oder haben die Qualitätsjournalisten nur wieder einmal nicht aufgepasst?
Das Portal Nachrichten.at veröffentlichte am Dienstag einen Beitrag – und so fängt er an:
ggummi
Untertitel und Foto suggerieren (Pfeil und Fragezeichen von mir), dass die Grünen „mehr öffentlichen Verkehr“ wollen und zur Ermutigung gleich ein Kondom beilegen. Der (zugegeben sehr kurze) Begleittext sagt darüber zwar nichts – aber vielleicht darf man gespannt sein, was sich in Österreichs Parks demnächst so tut…

Bibeln sind out

Ich habe ja nichts gegen gute Literatur – und die Bibel gehört (wenngleich nicht in jeder Übersetzung und auch nicht durchgängig, aber immerhin) gewiss dazu, und ich bin einer der wenigen, die das ganze Werk auch gelesen haben, wenn auch eher aus einer historisch-sprachwissenschaftlich angehauchten Perspektive, nicht aus einer religiös motivierten. Natürlich hätte ich mir das auch sparen können, und statt meine Studienzeit damit zu belasten, die Bibel auch während meines Berufslebens – quasi häppchenweise, von Hotel zu Hotel – genießen können. So, wie es ist, bleibt das Buch aber in der Schublade (und dem gepflegten Eindruck nach zu urteilen, den die meisten Exemplare auf mich machen, geht das wohl vielen so).
Einen anderen Weg geht der Unternehmer Florian Schilling, der sich sehr darum bemüht, Kondome in die Hotelzimmer zu bekommen – natürlich angemessen verpackt und diskret abgerechnet, wie jetzt gemeldet wird:

Der Verkauf erfolgt über drei Konzepte: Die Love Box liegt diskret direkt am Zimmer und wird über die Minibar verrechnet. Als zweite Variante kann der Hotelier damit ein Romantikpackage starten, befüllen oder erweitern, das dritte Konzept richtet sich an City-Hotels, wo der Gast spontan an der Rezeption ein Romantic-Upgrade buchen kann.

Ich weiß ja nicht, was da an Kondomen drin ist, würde aber spontan unsere Minibar-Kondome empfehlen. Wäre ja schade, wenn in der schön aufgemachten Box nur dröge Standardgummis lägen. Das Einzige, was dann noch fehlt, ist eine Taschenbuchausgabe der Märchen aus 1001 Nacht (oh ja, da gibt es ein paar sehr anregende dabei, die in den Zusammenstellungen für Kinder oft nicht oder nur entschärft enthalten sind) – statt der Bibel. Also als Hotelier würde ich über diese Kombination mal scharf nachdenken…
Schönes Wochenende!

Hört, hört: Kondome machen Frauen depressiv!

Nee, das kann man gar nicht kommentieren, das müsst Ihr selbst lesen:

Bereits das Anlegen des Kondoms, der Anblick auf den „verpackten“ Penis, Besorgung, Vorratshaltung wirken sich negativ auf die Lust der Frau aus. Für den Orgasmus der Frau ist es wichtig zu fühlen, sich zu spüren. Mit einem Gummiding auf dem Penis in der Vagina ist das kaum vorstellbar. Das Resultat: Die Frau wird zu einer Onanierpuppe für den Mann, der Geschlechtsverkehr zu einer Fitnessübung.
Die Folgen sind der negative Einfluss auf die Psyche der Frau mit einem Spektrum an Erkrankungen, die als Ursprung eine hormonelle Störung haben: Asthma, Allergien, Gebärmutterkrebs, Suchverhalten etc. Abgesehen davon, dass mit der Nutzung des Kondoms die fiktive Kinderzeugung während des Geschlechtsverkehrs auf betrügerische Art und Weise verschwindet, kann eine Frau mit einem Kondom keinen Orgasmus erleben. Als Folge entstehen sexueller Frust, Depressionen, oft auch Selbstmordversuche.

So gelesen in einem Artikel in Die-Frau.at („Alles, was wir wissen müssen“), unter dem abschließend noch steht: „Alle in diesem Artikel dargestellten Informationen beruhen auf den Beobachtungen und Forschungen der Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychosomatik Dr. Julia Rüsch“.
Nun ja, als Laienpsychologe würde ich mal sagen, die Frau hat ganz massive Probleme. Nur wird daran wahrscheinlich eher nicht das Kondom schuld sein, sondern vielleicht sein Träger (oder die Abwesenheit von beiden, wer weiß). Aber was was ich schon über die Probleme österreichischer Psychosomatikerinnen…

Gefährlich: Ignorante Besserwisser im Richteramt

Dass Kondome vor Ansteckungen schützen (wenn man sie richtig verwendet), weiß doch eigentlich heutzutage auch in Österreich jeder. Es hat sich ja sogar schon bis zum dortigen Obersten Gerichtshof herumgesprochen, dass man auch mit AIDS straffrei Sex haben kann, wenn man sich entsprechend schützt – und das war bereits 1997.
Nun hat es in Kärnten (einem bekanntermaßen recht konservativem Eckchen unseres schönen Nachbarlandes) einen 17jährigen erwischt – „es“ ist das Gesetz in Gestalt von Richter Dr. Othmar Kraft, der dem HIV-positiven jungen Mann drei Monate auf Bewährung aufgebrummt hat, weil er ungeschützten Oralverkehr mit seiner Freundin hatte.

„Ich dachte, wenn sie keine größere Wunde im Mund hat, kann nichts passieren“, sagte er dem Richter.
Das entspricht im Wesentlichen auch den derzeitigen Safer-Sex-Regeln der österreichischen Aidshilfen. Diese sehen bei Oralsex nur vor, dass man nicht in den Mund ejakulieren soll.

So meldete GGG.at vorgestern. Der Hammer ist jedoch:

Doch auch mit der Verwendung eines Kondoms hätte der 17-Jährige das Gericht in Feldkirch nicht straffrei verlassen: „Auch wenn ein Kondom verwendet worden wäre, würde dies nichts an der Strafbarkeit ändern“, erklärte Richter Othmar Kraft. Ein Ansteckungsrisiko bestehe nämlich auch bei Verwendung von Präservativen, so der Richter.

Einen Tusch für den weisen Richter! Und ab mit ihm ins Mittelalter…

Syphilis in Österreich auf dem Vormarsch

Die Zahl der Syphiliserkrankungen nimmt in Oberösterreich wieder erschreckend zu. Lange Zeit galt sie praktisch als ausgerottet, seit zehn Jahren aber steigt die Zahl der Neuinfektionen rasant an.

Eine sehr bedenkliche Meldung des ORF, denn die Zahl der Syphilis-Neuinfektionen steht im Allgemeinen in direktem gegenläufigem Verhältnis zur Beliebtheit von Kondomen – mehr Syphilisfälle bedeutet also in der Regel, dass (gerade in Risikosituationen) weniger bzw. seltener Kondome benutzt werden.

Offenbar sind sexuelle Risikoverhalten wieder im Kommen, wollen Männer immer häufiger ungeschützten Verkehr etwa mit Prostituierten und bieten jene ihre Dienste aus welchen Gründen auch immer, immer häufiger ungeschützt an.