Zurück zum Inhalt

Schon mal von Mechai Viravaidya gehört?

(c) Jim FruchtermanHabt Ihr bestimmt noch nicht. Zumindest nicht, wenn Ihr nicht schon seit 2010 Leser dieses Blog seid; im Dezember 2010 habe ich ihn nämlich schon einmal erwähnt, wenn auch eher in einem Nebensatz. Kürzlich stieß ich aber auf einen ausführlicheren, deutschsprachigen Artikel über ihn, den ich Euch nicht vorenthalten möchte: Die Mister-Kondom-Story:

Mechai trägt in Thailand den Ehrennamen “Mr. Kondom”, und der Name Mechai ist der populäre Umgangsbegriff für ein Kondom. Er ist nicht nur einer der bekanntesten und populärsten Politiker Thailands. Seine Art und Weise, Probleme anzugehen und konsequent zu lösen, aber auch seine persönliche Integrität in einer Politiker- und Parteienlandschaft, in der Korruption und Bestechlichkeit als Kavaliersdelikt gelten, haben diesem unbestechlichen Mann einen hervorragenden Ruf verschafft. Er hat sehr viel mehr für Thailand getan als manch andere, die dies gerne von sich glaubten.

Foto: (c) Jim Fruchterman, (Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic License)

Kondome sind Kunst

“Interaktiven Regen” gibt es derzeit in Madrid zu besichtigen – ein freches und gleichzeitig verspieltes Kunstprojekt des Künstlerkolletivs “Luzinterruptus”:

Consisting of 800 liquid-filled condoms hanging from strings in a public square, the illuminated art project is playfully dubbed, “Prophylactic Rain That Doesn’t Wet Anything.” The precariously hung droplets are located in the Campo de la Cebada, a popular space in Madrid that previously housed the city’s public swimming pool. The location has since been transformed into a meeting space where neighbors and artists congregate to play sports; however, plans are in motion to turn the land into a luxury tourist market.

…schreibt die Huffington Post unter Berufung auf die Website des Kunstkollektivs. Ein Video der Installation bzw. Aktion gibt es natürlich auch – erfreut Euch an hängenden, blau leuchtenden, mit Flüssigkeit gefüllten Kondomen:


Prophylactic rain that doesn’t wet anything from luzinterruptus on Vimeo.

Aktueller Ausflugstipp: Mobile Ausstellung “Große Freiheit”

Wie man STI erkennt, wie man sie behandelt und vor allem, wie man sich davor schützen kann, zeigt die mobile Ausstellung „GROßE FREIHEIT“ – liebe.lust.leben“. Sie bietet einen spielerischen, lebensnahen Zugang zu den Themen STI und HIV: Du triffst in der Ausstellung auf Menschen, die vielleicht ähnliche Probleme haben wie Du, kannst sie durch einen Tag ihres Lebens begleiten und lernst dabei eine Menge über HIV und STI.

Die mobile Ausstellung “Große Freiheit” ist ein Muss für jeden, der in der Nähe ist; die aktuellen Tourdaten gibt’s auf der Website. Die mobile Ausstellung ist ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Kondome schützen auch gegen HPV

Was viele nicht wissen: Kondome schützen (bei richtiger Anwendung, natürlich) nicht nur vor den “üblichen” Geschlechtskrankheiten sowie der Ansteckung mit HIV (“AIDS”), sondern beispielsweise auch vor der Übertragung humaner Papillomaviren (kurz: HPV), die für bösartige Gewebeveränderungen verantwortlch gemacht werden, die zu Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) sowie Scheiden-, Penis- und Anal-Karzinomen sowie (bei oraler Übertragung) auch zu Mundtumoren führen können.
Eine von Forschern der Texas State University mit 411 Studenten durchgeführte kleine Studie bestätigte nun, dass dieses Wissen noch nicht weit genug verbreitet ist – und daher einerseits Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel der Gebrauch eines Kondoms, vernachlässigt werden; andererseits sind wiederum viele der Meinung, dass der Gebrauch eines Kondoms alleine vollkommen ausreichend sei, um sich vor jedweder Ansteckung zu schützen:

Only 15.5 percent of college students know that condoms don’t fully protect a person from contacting the human papillomavirus, and this lack of knowledge can lead students to a false sense of security in their sexual practices. (…) Study results show that most students know HPV is associated with cervical cancer, but fewer than 50 percent of students know that the virus also is associated with oropharyngeal, anal and penile cancers. According to the authors, “The lack of knowledge about other cancers associated with HPV is important, because those cancers are preventable with education, the use of vaccines and safer sexual practices. Without proper education, students may only be aware of the most commonly discussed correlation – that HPV is associated with cervical cancer – and may be unaware of the other dangers the virus possesses.”

zitiert Marketwatch eine entsprechende Pressemitteilung via PR Newswire. Die Zahlen sehen für Deutschland mit Sicheheit nicht viel besser aus, vermute ich, auch wenn ich momentan keine harten Daten dafür vorliegen habe.

Neue Kondomfabriken in Venezuela?

Am 6. Juni hat Venezuela Präsident Maduro in einer Fernsehansprache angekündigt, in näherer Zukunft mehrere Kondomfabriken bauen lassen zu wollen, um die mit 17% in ganz Lateinamerika höchste Rate an Teenagerschwangerschaften zu reduzieren.

“Vamos a instalar un conjunto de fábricas aquí para producir billones de preservativos, y ustedes se encargan de distribuir, reflexionar y de blindar la patria de embarazos precoces”, ha dicho Maduro a los militantes del movimiento ‘Jóvenes por la Patria’ que participaban del acto. (…) Según los datos del Instituto Nacional de Estadística (INE), el porcentaje de embarazo adolescente en Venezuela no supera el 17%.

Die Reaktionen darauf kochen natürlich bei Venezuelas Katholiken ziemlich hoch, wie die katholische Nachrichtenagentur ACI Prensa zu berichten weiß:

El Director del Departamento de Educación de la Conferencia Episcopal Venezolana (CEV), José Antonio Villamizar, advirtió que la instalación de fábricas de condones en Venezuela, como ha ofrecido el presidente Nicolás Maduro, acarreará un importante “coste social”, especialmente para los jóvenes del país a quienes así se les inserta en una peligrosa “ruleta rusa”.
En declaraciones a ACI Prensa, Villamizar señaló que “instalar una fábrica de condones en mi país, Venezuela, a lo sumo tal vez podrá abaratar los costos de un producto, a un gran coste social”.

Aber diese Einstellung ist ja nichts Neues. Wer etwas masochistisch veranlagt ist und Spanisch kann, kann sich ja die Horrorliste der Kondom-Übel (“unsicher, mechanisch versagend, porös, nutzlos, unmoralisch und kontraproduktiv”, alles im Detail erläutert) bei ACI Prensa durchlesen – da sind Europas Katholiken ja nachgerade moderat, im Vergleich. Auch wenn ich natüprlich nicht weiß, woher momentan die Masse der in Venezuela verkauften Kondome stammt – es gibt da ja durchaus Qualitätsunterschiede…

Wissen BILD-Leser nicht, wie ein Kondom aussieht!?

aufgeklebte KondomeNun, zumindest hat es den Anschein; warum sonst müsste BILD ein Foto derart nachbearbeiten? Ein kürzlich veröffentlichter Beitrag über die Forderung der Hamburger Grünen-Chefin nach kostenlosen Kondomen für Hartz-IV-Bezieher wurde mit einem Foto der Politikerin illustriert, auf dem sie drei Kondome zeigt – es könnte ja sein, dass jemand nicht weiß, wie die so aussehen. Damit das Ganze noch deutlicher wird (es bestünde ja sonst die Möglichkeit, dass man die viereckigen Siegelfolien mit dem deutlich sichtbaren Aufdruck “Durex” für irgendentetwas anderes halten könnte – Schokoriegel, Dollars, Bildungsgutscheine…), hat der zuständige Realitätsverzerrer noch schnell ein Kondom außen auf die Siegelfolie draufretuschiert Durex Kondom (Sorte: Be Close, Juni 2013) Vorderseite(links im Bild ein echtes Durex-Kondom, mal schnell eingescannt). Natürlich könnte dadurch jetzt (zumindest bei Leuten, die noch nie Kondome benutzt haben – ist das die Zielgruppe der BILD?) der Eindruck entstehen, Kondome gebe es nicht hygienisch versiegelt IN einer Folie, sondern aufgeklebt AUF eine solche. Ich weiß ja, dass BILD-Leser gerne für dumm gehalten werden, und dass deswegen viele Politiker gerne in der BILD auftreten, wo sie meist unwidersprochen den größten Blödsinn ablassen können, aber manchmal… ach, vergessen wir’s.

Ich bin dafür, BILD-Redakteue mit gratis Kondomen zu versorgen. Durex, ausgepackt und augeklebt, natürlich. Vielleicht kann dann die nächste Generation Zeitungsleser wieder Vertrauen fassen in die Berichterstattung.

Bild- und Artikelquelle: www.bild.de/regional/hamburg/kondome/gratis-fuer-beduerftige-fordern-gruene-30785958.bild.html, Bild-Unterschrift: “Hamburgs Grünen-Landeschefin Katharina Fegebank (36) will Menschen mit Hartz IV bei der Verhütung helfen”, Foto: Ronald Sawatzki. Ich lasse ja in diesem Blog nicht gerne den Piraten raushängen, aber ich hoffe, der Ausschnitt ist klein genug, dass hier nicht gleich wieder eine Horde Anwälte wegen Urheberrechtsverletzung in die Spur geschickt wird, weil ich mit dem “Content-Diebstahl” die gesamte Familie des Fotografen (der von der kleinen “Nachbearbeitung” seines Fotos möglicherweise gar nichts weiß?) ins jahrhundertelange Elend stürze. Das veröffentlichte Bild ist 1280×720 Pixel groß, besteht also aus 921.600 Bildpunkten; der Ausschnitt ist 128×146 Pixel große, hat also 18.688 Bildpunkte, das entspricht 2% des Originalbildes. Sollte als Zitat gerade noch durchgehen.

Ach so, was wollte die Grüne da gleich noch? Ach ja: “IHRE FORDERUNG: KONDOME GRATIS. SPIRALE UND PILLE AUCH! Ein Rundum-Sorglospaket sozusagen wie es vor 2005 war, bis die Hartz-IV-Gesetze eingeführt wurden.” Ich glaube, die Grammatik ist © BILD, die junge Frau sieht dafür zu intelligent aus. Und natürlich gab es auch vor 2005 kein Recht auf Gratiskondome. Aber hej, wen scheren schon solche kleinen Retuschen an der Realität :-) Schließlich stecken in dem “Artikel” ja noch ein paar mehr.

Kein Beweismittel mehr

Wie letzte Woche aus New York zu hören war, sollen unbenutzte Kondome, die Menschen bei sich führen, dort nicht mehr als Beweismittel dafür verwendet werden, dass ebenjene Menschen Prostituierte sind.

They would no longer consider unused condoms seized from suspected prostitutes and sex traffickers as evidence. [...] Although carrying condoms is legal in New York, police have treated them as evidence of probable cause when making arrests in prostitution cases.

… meldet Reuters via Yahoo!news. Den letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. “Obwohl es in New York legal ist, Kondome mit sich zu führen…” Das klingt doch schon sehr verrucht. Ist doch klar – wer schon Kondome dabei hat, MUSS ja Sexarbeiter sein. Gute, aufrichtige, patriotische Amerikaner tun so etwas nicht. No Sir.
Pikanterweise ist der Artikel mit einer Grabbelschüssel kostenloser Kondome illustriert, wie sie in AIDS-Beratungsstellen in New York zu erhalten sind. Mutig, mutig. Kondome sind zwar legal, aber….

Stimmt nicht? Egal, Hauptsache Werbung.

Seit einiger Zeit versucht die Firma Origami Condoms verzweifelt Interesse für ihr neues Produkt zu erregen, aber irgendwie scheint sich niemand so richtig dafür zu interessieren – die Begeisterung der potentiellen Nutzer hält sich in Grenzen. Wie gerufen kommt da Michael Douglas mit seiner Oralsex-Story, die seit ca. zwei Wochen in dieser oder jener Form durch die Medien geistert und mit der der alternde Hollywoodstar wohl noch einmal so richtig medial durchgewurstelt werden soll.
Kein Wunder also, dass die zwei Stories irgendwann zusammen finden.
So schreibt Woman.at, beim Origami-Kondom handele es sich um das weltweit erste spezielle “Blowjob-Kondom”:

“Das liegt daran, dass das für Kondome verwendete Latex einen furchtbar unangenehmen Geruch und Geschmack hat,” so Danny Resnic von der US-Firma Origami Condoms. Dazu komme die ungünstige Passform eines herkömmlichen Kondoms, das beim Blowjob häufig verrutscht. Die Forschungsabteilung von Origami Condoms arbeitet deshalb an der Entwicklung des ersten Kondoms speziell für den Oralverkehr. Dieses wird aus ultradünnem, vor allem aber geschmacks- und geruchsneutralem Silikon hergestellt und in seiner Form anatomisch an die Spezial-Nutzung per Mund angepasst.

Nun ja. Erstens gibt es bereits latexfreie Kondome, die das Problem des “furchtbar unangenehmen Geruchs” obsolet machen, zweitens ist eine “Passform” eben gerade nicht ungünstig, weil sie nämlich – wie der Name sagt – passend ist, und drittens … wie soll eine “anatomisch an die Spezialnutzung per Mund” angepasste Form denn aussehen? So zick-zack-gefaltet wie auf der Herstellerwebsite? Sorry, wenn ich da mal kichern muss; zu den Mündern, die sich so kenne, kann ich da keine anatomisch passende Verbindung hestellen.
Dort findet sich übrigens nicht ein einziger Hinweis, dass man an einem Blowjob-Kondom arbeite – die Rede ist von “male”, “female” und “anal”. So schlecht kann Eurer Englisch doch eigentlich nicht sein, oder? Ach, und liebe Woman.at-Qualitätsjournalistinnen: “Unterstützt wird das Projekt durch die Stiftung von IT-Millionär Bill Gates” stimmt nicht. Origami hat sich für das ausgelobte Preisgeld von Old Bill beworben, wie viele andere auch. Mehr nicht.

Kondome und Statistik (ein wenig)

Eine recht anschauliche Statistik über die weltweite Benutzung von Kondomen findet sich im Globometer:
Laut “The Original Condom Company” (ich kann die Zahlen bei dieser Quelle allerdings nicht verifizieren) werden weltweit 12 Milliarden Kondome pro Jahr verbraucht. Laut Beate Uhse sollen es allerdings 27 Milliarden sein – eine ziemliche Differenz (was Beate Uhse natürlich nicht daran hindert, eine reine Schätzung unter dem Titel “Harte Fakten” zu veröffentlichen).
Eine andere Statistik findet sich beim Factfish – der Prozentsatz junger Männer (aufgegliedert nach Land), die Kondome benutzen (basieren auf Zahlen der Weltbank) – wobei allerdings viele Länder fehlen. Auch die WHO hat interessante Zahlen… aber eigentlich wollte ich Euch nur den lustigen Kondomzähler (links) zeigen. Sorry für die Ablenkung.

Durex? Fail! Batman wins.

Seitdem die Marke Durex zum großen US-Konzern RB gehört, weiß dort die rechte Hand nicht mehr, was die Linke tut. Katastrophal in Auge gehende Social-Media-Kampagnen auf der einen Seite (Durex condoms’ social media strategy goes wrong, berichtet MSN Money über eine Kampagne, die total vertrollt endete) und die “Love Ville” Bologna auf der anderen Seite (Durex kürt Bologna zur “Loveville”: Wie man clever Kondome vermarktet) machen die Marke zu einer ziemlich unübersichtlichen Spielwiese für Werbeagenturen. Nun ja, Durex kann sich’s leisten – und offenbar steckt man das Geld lieber in Werbung als in bessere Ware (seit Jahren hat Durex noch keinen Nachfolgeproduzenten oder -produkt für die Avanti Ultima gefunden…). Ich würde mich nicht wundern, wenn die Kunden irgendwann entdecken, dass Durex-Kondome eigentlich nichts besonderes sind, sondern auch oft nur vom preiswertesten Dritt-Anbieter gefertigte Auftragsware, die zu überhöhten Preisen vertickt wird. Aber egal – es gibt ja genügend Alternativen.